„Seriengucken ist Probehandeln“

Warum „Game of Thrones“ oder „Vorstadtweiber“ uns so faszinieren, erklärt die Psychoanalytikerin Svenja Taubner im Interview.

Auch Fantasy-Serien zeigen ein Stück Wirklichkeit und faszinieren uns deshalb. © Pictorial Press Ltd/Alamy Stock Foto

„Seriengucken ist wie ­Probehandeln“

Ob in der Mittagspause mit Kollegen, beim Small Talk auf der ­Party oder beim Treffen mit Freunden – dauernd reden wir über Serien. Viele treffen sich sogar und ­schauen die Episoden ­gemeinsam mit Gleichgesinnten. Die Psychoanalytikerin Svenja Taubner hat untersucht, ­warum uns Serien so in den Bann ziehen

Sie sind Psychoanalytikerin und haben zusammen mit Timo Storck ein Buch über die neuen TV-Serien herausgebracht. Was ist der Unterschied zu den alten Serien wie Lassie, Flipper oder Bonanza?

Der größte Unterschied ist, dass die Erzählstruktur sich verändert hat. Sie ist in den neuen Serien eher dem Roman vergleichbar. Es wird eine einzige große Geschichte erzählt. Sie erstreckt sich über den Verlauf der ganzen Serie, kann also 60 Stunden dauern oder länger. Bonanza, Flipper und Co sind anders aufgebaut. Man spricht bei ihnen auch von „Serials“. Dabei handelt es sich um kleine, abgeschlossene Geschichten, aus denen jede einzelne Folge besteht. Das ist wie ein kurzer Kinofilm. Der Spannungsbogen innerhalb der einzelnen Episode ist in sich geschlossen. Man kannte trotzdem die Charaktere, gewöhnte sich an sie, gewann sie lieb und war gespannt, was ihnen als Nächstes widerfuhr.

In Ihrem Buch las ich: Die Kinder, etwa bei Flipper und Lassie, wurden nicht älter. Warum ist das wichtig?

Die Figuren in den früheren Serien vermitteln uns das beruhigende Gefühl: Alles bleibt, wie es ist. Niemand stirbt. Alles wird gut. In den neuen Serien ist das anders. Diese Gewissheit...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 1/2018: Das erlaube ich mir!
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