Wie wird die Seele krisenfest?

RESILIENZ: Großbrände, Coronavirus – Die Welt um uns herum ist im Dauerkrisenmodus. Wie können wir all die schlechten Nachrichten verkraften?

Immer häufiger sind wir in Europa mit Krisen konfrontiert, von denen wir lange glaubten, sie gingen uns wenig an. Doch Ereignisse irgendwo auf der Welt haben zunehmend Auswirkungen auch auf das Leben hier. Die Flüchtlingswelle aus Syrien ist nur ein Beispiel von vielen. Wenig spricht dafür, dass sich daran in Zukunft etwas ändern wird. Manche Experten wie der Historiker Heinrich August Winkler sprechen inzwischen sogar von einem Zeitalter der Verunsicherung und sehen den markanten Anfangspunkt in den Anschlägen vom 11. September 2001. Andere warnen, dass auch in Europa Terror künftig zum Alltag gehören wird.

Sozialforscher sehen die krisenhafte Unordnung durchaus als Normalzustand von Gesellschaften. Denn widerstreitende Interessen verhindern ein dauerhaftes Gleichgewicht. Martin Endreß ist Soziologe an der Universität Trier und beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit den Bedingungen von Krisen und deren Folgen. Seinen Erkenntnissen nach ist die gesellschaftliche Moderne per se krisenhaft. Allerdings seien Menschen heute durch die modernen Medien so dicht dran an den Krisenherden der Welt wie nie zuvor. Nachrichten in Echtzeit informieren uns rund um die Uhr über verstörende Details von Massenmorden oder Naturkatastrophen, von Anschlägen oder Seuchen irgendwo auf der Welt. Die sozialen Medien wie Facebook oder Twitter bringen mit noch stärkeren Ausschlägen jede Krise auf das eigene Smartphone. All das trägt dazu bei, dass viele Krisen nicht nur objektiv, sondern vor allem auch subjektiv plötzlich viel näher an uns heranrücken.

Georg Pieper ist erfahrener Krisenpsychologe; in seiner Praxis für Trauma- und Stressbewältigung betreute er schon viele Opfer von Katastrophen und berät darüber hinaus auch professionelle Kriseninterventionsteams. Er beobachtet, dass die globalen Krisen immer komplexer und für Laien...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 4/2016: Mitten im Leben
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