„Ist das Altruismus? Da bin ich nicht so sicher“

Deutschland ist gespalten: Ein Teil der Bevölkerung zeigt eine ungeahnte Hilfsbereitschaft Flüchtlingen und Asylbewerbern gegenüber. Ein anderer ist voller Aggression. Wovon es abhängt, zu welcher Gruppe man gehört, erklärt der Sozialpsychologe Oliver Decker

„Ist das Altruismus? Da bin ich nicht so sicher“

Deutschland ist gespalten: Ein Teil der Bevölkerung zeigt eine ungeahnte Hilfsbereitschaft Flüchtlingen und Asylbewerbern gegenüber. Ein anderer ist voller Aggression. Wovon es abhängt, zu welcher Gruppe man gehört, erklärt der Sozialpsychologe Oliver Decker

Herr Decker, vor wenigen Monaten gab es eine Welle der Hilfsbereitschaft in Deutschland. Unzählige Menschen kümmerten sich an Bahnhöfen um Flüchtlinge oder arbeiteten ehrenamtlich in Kleiderkammern. Waren Sie davon überrascht?

Ich war nicht völlig überrascht. In den letzten zwanzig Jahren hat sich die Wahrnehmung von Migranten in der Bundesrepublik ja ziemlich verändert: Während Helmut Kohl 1990 in einer Regierungserklärung noch ausdrücklich betonte, dass Deutschland kein Einwanderungsland sei, sagte Angela Merkel jüngst auf dem Integrationsgipfel, dass Deutschland ein Einwanderungsland sein wolle. Die sozialen Normen haben sich also verschoben, Migranten werden mittlerweile wahrgenommen als Gruppe, die auch etwas zu diesem Land beitragen kann. Dahinter stecken Nützlichkeitserwägungen; Gründe wie der Facharbeitermangel und demografischer Wandel rechtfertigen die Anwesenheit von Migrantinnen und Migranten.

Es lassen sich außerdem Anzeichen finden, dass sich die kulturelle Identität verändert hat: Während früher noch als Deutscher galt, wer deutsche Vorfahren hatte, kann man jetzt auch Deutscher werden. Das „Blutrecht“ im Staatsbürgerrecht wurde abgeschafft, es wurde liberalisiert. Und wir...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 1/2016: Ausgebrannt
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