„Alle suchen eine starke Vaterfigur“

Warum schließen sich junge Männer rechtsradikalen Gruppen an? Was fasziniert junge Muslime an den Thesen von islamistischen Hasspredigern? Die Psychoanalytikerin Gertrud Hardtmann und der Psychologe Ahmad Mansour diskutieren die psychologischen Gemeinsamkeiten zwischen zwei gefährdeten Jugendgruppen

„Alle suchen eine starke Vaterfigur“

Warum schließen sich junge Männer rechtsradikalen Gruppen an? Was fasziniert junge Muslime an den Thesen von islamistischen Hasspredigern? Die Psychoanalytikerin Gertrud Hardtmann und der Psychologe Ahmad Mansour diskutieren die psychologischen Gemeinsamkeiten zwischen zwei gefährdeten Jugendgruppen

Frau Hardtmann, Sie haben als Psychoanalytikerin viele Jahre im Rahmen eines sozialen Trainings mit rechtsextremen Jugendlichen gearbeitet und zu rechtsradikaler Jugendgewalt geforscht. Wie sieht die innere Welt der Jungen und Mädchen aus? Welche Sehnsüchte erfüllen sie sich, indem sie radikal werden?

Gertrud Hardtmann Alle Jugendlichen suchen nach Vorbildern, die sie idealisieren und denen sie nacheifern können. Das ist jugendtypisch und völlig normal. Sie müssen Entwürfe für ihr Leben finden und brauchen dafür gute, verlässliche Eltern und andere Erwachsene, die ihnen dabei helfen. Sie brauchen Mütter und Väter, an denen sie sich abarbeiten und mit denen sie diskutieren und streiten können. Bei fast allen rechten jugendlichen Straftätern, die ich kennengelernt habe, hatten die Väter die Familie verlassen oder waren innerlich abwesend und desinteressiert. Oft sind die Großeltern, vor allem die Großväter in die Bresche gesprungen und haben diese Leerstelle gefüllt. Sie haben ihren Enkeln Heldengeschichten aus dem Krieg erzählt und auf diese Weise Anerkennung für ihre eigenen unverarbeiteten Kränkungen gesucht. Bei den Enkeln entlud sich dann der unterdrückte Ärger, die Wut, das Ressentiment einer Großelterngeneration, die nicht einsehen wollte, dass sie verbrecherischen Zielen gedient hatte. Die Enkel hatten für die geschönten Heldengeschichten, in denen die Verbrechen der Wehrmacht verschwiegen wurden, ein offenes Ohr und erfüllten sich ihre Sehnsucht nach heldenhaften Vorbildern.

Herr Mansour, Sie engagieren sich in Projekten und Initiativen gegen Extremismus und beraten unter anderem Angehörige von radikalislamischen Jugendlichen. Sehen Sie Parallelen?

Ahmad Mansour Es gibt erstaunlich viele Parallelen. Der Wunsch nach Helden ist auch bei radikalen muslimischen...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 11/2015: Den Alltag managen
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