Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

Ambivalenz, Anspruchsniveau, Gruppendynamik, Ersatzhandlung. Vertraute Begriffe. Kaum jemand weiß, dass Kurt Lewin sie geprägt hat. Der Begründer der Gruppendynamik wäre am 9. September 125 Jahre alt geworden. Welche Aktualität haben seine Konzepte heute noch?

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

Ambivalenz, Anspruchsniveau, Gruppendynamik, Ersatzhandlung. Vertraute Begriffe. Kaum jemand weiß, dass Kurt Lewin sie geprägt hat. Der Begründer der Gruppendynamik wäre am 9. September 125 Jahre alt geworden. Welche Aktualität haben seine Konzepte heute noch?

Berlin, Mitte der zwanziger Jahre. Der junge Privatdozent Kurt Lewin sitzt mit Studierenden des Psychologischen Instituts im Café, das tut er oft und gern. Es geht lebhaft zu, man schwatzt, diskutiert, isst und trinkt. Stunden später kassiert der Kellner ab, sicher und routiniert. Bevor sie gehen, wendet sich Kurt Lewin noch einmal an ihn: „Was haben wir heute bestellt?“ Der Kellner überlegt, wird ärgerlich: „Ich weiß nicht mehr, was Sie bestellt haben. Sie haben die Rechnung bezahlt!“

Kurt Lewin liebt es, in banalen Alltagssituationen Stoff für die Wissenschaft zu finden. Er überlegt: Vielleicht sorgt das innere Spannungssystem dafür, dass das Gedächtnis besser arbeitet, wenn eine Aufgabe noch nicht abgeschlossen ist? Wenig später wird eine von Lewins Studentinnen, Bljuma Zeigarnik, diese Hypothese in ihrer Doktorarbeit überprüfen. Die Ergebnisse haben als „Zeigarnik-Effekt“ Schule gemacht.

Kurt Lewin legt keinen Wert darauf, seinen Namen genannt zu sehen. Ihm geht es um die Sache. Er ist ein ungewöhnlicher deutscher Hochschullehrer, offen, diskussionsfreudig, meistens gut gelaunt. In der Mehrzahl gehören junge Frauen zu seinem Schülerkreis. Nicht nur Lewins Teamgeist zieht sie...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 10/2015: Ich steh dazu!
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