Wirksam regieren

Regierungen nutzen psychologische Erkenntnisse, um Bürger unterschwellig zu beeinflussen

Wirksam regieren

Regierungen nutzen psychologische Erkenntnisse, um Bürger unterschwellig zu beeinflussen

Als Kind saß ich mit meinen Geschwistern vor dem Fernseher und aß Obst. Meine Mutter hatte ein paar Äpfel in appetitliche Spalten geschnitten und neben uns auf den Tisch gestellt. Wir futterten sie weg, ohne darüber nachzudenken. Als der Abspann unserer Sendung über den Bildschirm lief, war die Obstplatte längst leer.

Wer sich mit Psychologie und Verhaltensökonomie beschäftigt, nennt den Apfeltrick meiner Mutter einen Nudge, einen „Stupser“. Sie hat uns nicht mehr Taschengeld versprochen, nicht mit Stubenarrest gedroht oder mit Ratschlägen genervt. Stattdessen hat sie uns einfach das Obstessen erleichtert – und war damit ziemlich erfolgreich. Seit der Ökonom Richard Thaler und der Jurist Cass Sunstein im Jahr 2008 ihren Bestseller Nudge publizierten, ist diese Strategie, Menschen unterschwellig in eine gewünschte Richtung zu steuern, Teil der öffentlichen Diskussion geworden. Wie, so fragten die Autoren, können private und öffentliche Institutionen die Entscheidungen der Bürger zum Besseren lenken, ohne sie durch Strafen oder Verbote zu bevormunden? Nun bedient sich auch die Politik entsprechender Mittel: Angela Merkel ließ im Sommer 2014 drei Referentenstellen ausschreiben – das neue Nudge-Team der Bundesregierung arbeitet unter dem Schlagwort „Wirksames Regieren“. Was bedeutet das für uns Bürger? Was kommt da auf uns zu?

Nirgendwo findet man auf diese Frage bessere Antworten als in Großbritannien. Dort gründete David Cameron nach seiner Wahl zum Premierminister zügig eine eigene Nudge Unit – eine Stabsabteilung von Spezialisten, die ihm helfen sollte, sein Land mithilfe psychologischer Erkenntnisse...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 8/2015: Schöner Stress!
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