Dinge verschwinden vor unseren Augen

Kann man an einem E-Book genauso hängen wie an einem gebundenen Buch? Lässt sich ein E-Mail-Ordner mit einem Stapel persön­licher Briefe vergleichen? Zunehmend ersetzen wir Dinge unseres Alltags durch elektronische Versionen. Wie wirkt sich das auf unser Identitätsgefühl aus?

Dinge verschwinden vor unseren Augen

Kann man an einem E-Book genauso hängen wie an einem gebundenen Buch? Lässt sich ein E-Mail-Ordner mit einem Stapel persön­licher Briefe vergleichen? Zunehmend ersetzen wir Dinge unseres Alltags durch elektronische Versionen. Wie wirkt sich das auf unser Identitätsgefühl aus?

Nachdem ein Feuer Hunderte Hektar Gelände in der Nähe ihres Hauses verwüstet, beschließt die kalifornische Journalistin Kathleen Hughes, ihre Unterlagen vor zukünftigen Desastern zu schützen. Die 56-Jährige beginnt ihr „Leben zu scannen“, wie sie es in einem Beitrag für das Wall Street Journal nennt. Über viele Wochen digitalisiert sie jedes Fitzelchen Papier, an dem sie hängt: mehr als 4000 Fotos, sämtliche Artikel, die sie jemals geschrieben hat, Seminararbeiten aus dem Studium, alte Notizen zu einer Psychotherapie, Telegramme. Und viele, viele Briefe: Botschaften früherer Verehrer, Post von Freunden, die Liebeskorrespondenz ihrer später geschiedenen Eltern. Die Zeilen, die sie selbst an andere geschickt hat, stellt sie enttäuscht fest, hat niemand aufgehoben. „Immerhin“, tröstet sie sich, „werden meine Kinder die gesamte Familiengeschichte auf einer Festplatte zusammenhaben.“

Die Digitalisierung hat die Welt der Gegenstände erfasst. Immer mehr Dinge, die früher in greifbarer Form in Schubläden und Regalen lagen, werden durch elektronische Versionen ersetzt. Wir können wie Kat­hleen Hughes wichtige Unterlagen einscannen, von gebundenen Büchern auf E-Books...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 2/2015: Die Angst vor Nähe
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