Opfer!

Wie hat sich der Begriff des Opfers über die Jahrhunderte entwickelt? Historikerin Svenja Goltermann über ein Wort, der heute allgegenwärtig ist.

Wann ist jemand ein Opfer? Das Verständnis hat sich über die Jahre gewandelt. © Richard Klippfeld

Opfer!

Kriegsopfer sind fast jeden Tag in den ­Medien zu sehen. ­Unsere Wahrnehmung politischer ­Konflikte ist geprägt davon. Doch wie hat sich der ­Begriff des Opfers über die Jahrhunderte ­entwickelt? Die Historikerin Svenja ­Goltermann über einen Begriff, der heute allgegenwärtig ist

Frau Professor Goltermann, als „Opfer“ bezeichnen wir heute jemanden, der durch einen anderen verletzt oder geschädigt wird – wir sprechen etwa vom Unfallopfer oder Kriegsopfer. Doch diese Bedeutung ist, wie Sie schreiben, noch relativ neu. Wofür stand der Begriff des Opfers denn ursprünglich?

Bis ins späte 19. Jahrhundert war fast ausschließlich der aktive Opferbegriff präsent: also sich für etwas aufzuopfern, ein Opfer für etwas zu bringen. Zuschreibungen in der Form, dass jemand Opfer eines Krieges oder einer Katastrophe ist, waren noch überhaupt nicht verbreitet. Das Wort existierte natürlich, aber kaum jemand bezeichnete sich selbst als passives, leidendes Opfer.

Erst im Verlauf des 20. Jahrhunderts verlor das „Opfer für etwas“ an Bedeutung. Die Rede, ein „Opfer von etwas“ geworden zu sein, nahm dann, vor allem im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts, allmählich zu.

Wenn man im 19. Jahrhundert also Opfer eines Verbrechens wurde, wurde man trotzdem nicht als solches bezeichnet?

Wenn man sich das Strafrecht in Deutschland anschaut, ist bis ins 20. Jahrhundert selten vom Opfer die Rede. Verletzt wird in erster Linie nicht das Individuum, sondern eine...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 9/2018: Die Kraft des Verzeihens
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