Was bleibt von der Seele?

Wir sprechen in der Psychologie nicht mehr von „Seelenkunde“, auch sonst scheint der Begriff überholt. Doch ist die Seele wirklich für uns verzichtbar?

Was ist der Kern eines jeden Menschen? Ist es seine Seele? ©Richard Klippfeld

Was bleibt von der Seele?

Wir sprechen bei der Psychologie nicht mehr von „Seelenkunde“, und auch sonst scheint der Begriff überholt. Doch ist dem tatsächlich so? Ist die Seele für uns wirklich verzichtbar?

In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts verfasste der berühmte Mathematiker und Astronom Laplace ein fünfbändiges Werk über die Mechanik des Himmels. Als er sein astronomisches System Napoleon Bonaparte präsentierte, fragte ihn dieser, welche Rolle Gott denn in seinem Buch spiele. Die berühmte Antwort von Laplace lautete: „Ich habe diese Hypothese nicht nötig gehabt.“ Diese Anekdote ist hilfreich, weil sie auf eine vergleichbare Situation in der Psychologie hinweist: Als Wissenschaft hat sie die Seele nicht mehr nötig.

Psychologie bedeutet dem Wortsinn nach bekanntlich „Seelenkunde“, doch der Begriff der Seele (und was wir gewöhnlich mit ihm verbinden) kommt in der entsprechenden Wissenschaft schon lange nicht mehr vor. Stattdessen spricht man von der Psyche – was moderner klingt, aber einfach das griechische Wort für „Seele“ ist –, von Ich-Identität und vor allem vom „Selbst“. Die Rede von der Seele ist der Wissenschaft von ihr offenkundig peinlich geworden; sie erscheint als Relikt einer vergangenen Zeit, in der Glaube, nicht Wissenschaft die Weltsicht dominierte.

Wo das Wort noch verwendet wird, wie zum Beispiel in Dietrich Dörners Buch Bauplan für eine Seele, ist es häufig ironisch gemeint...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 2/2019: Zwischen Liebe und Pflichtgefühl
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