Was machst du eigentlich gerade?

Ein Tag, 24 Stunden, 1440 Minuten. Wie verbringen wir diese Zeit und was hat sich in den letzten Jahrzehnten geändert?

Die Illustration zeigt einen Mann in der heutigen Zeit bei seinen täglichen Tätigkeiten im Job und privat
1440 Minuten dauert ein Tag. Den Großteil verplanen wir konsequent. © Dorothea Huber

Der Wecker klingelt – es ist 5.50 Uhr. Schlaftrunken fingert Lea B. nach dem Smartphone, sichtet ihre WhatsApp-Nachrichten und liest, was sich in der Nacht in Deutschland und der Welt ereignet hat. Sie kleidet sich an; beim Frühstücken surft sie nebenbei mit dem Smartphone. Um 6.40 Uhr zieht sie die Haustür hinter sich zu, schwingt sich hinters Lenkrad und fährt die 20 Minuten mit dem Auto zur Arbeit. Keine besonderen Vorkommnisse: Für sie ist es ein typischer Start in einen Wochentag.

Lea B. ist eine von vier Personen, die eigens für diesen Artikel ihren Tagesablauf dokumentiert haben. Im-Zehn-Minuten-Rhythmus protokollierte die 25-Jährige, was sie gerade tat, wo sie sich befand, wie sie sich fühlte; insgesamt 48 Stunden lang, einen Donnerstag und einen Samstag. Ein Zeittagebuch, wie es ganz ähnlich auch Wissenschaftler verwenden. Sie wollen wissen, wie wir unsere Zeit verbringen. Denn aus solchen Daten lassen sich vielfältige Rückschlüsse auf unser gesellschaftliches Leben ziehen – und wie es sich in den letzten Jahrzehnten verändert hat.

Deutschland als Nachzügler

Der emeritierte Soziologe Jonathan Ger­shuny und seine Kollegin Oriel Sullivan leiten das am University College London angesiedelte Centre for Time Use Research, das unter anderem Zeitnutzungsstudien aus verschiedenen Ländern zusammenführt. Die Datenbank, die dabei entstanden ist, dokumentiert aktuell den Verlauf von mehr als 1,5 Millionen Tagen von Men­schen in 30 Ländern, darunter Korea, Südafrika, Kanada und Deutschland. In vielen Punkten, so stellte sich heraus, sind die Beobachtungen bei Briten und Deutschen durchaus vergleichbar.

Zeitnutzungserhebungen haben im Vereinigten Königreich eine lange Tradition: Im Jahr 1961 wollte die BBC mehr über ihre Hörer und Zuschauer erfahren – unter anderem um ihre Programmgestaltung danach auszurichten. Zu diesem Zweck bat sie 2500 Personen in zufällig ausgewählten Haushalten, eine...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 6/2020: An Krisen wachsen
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