Wie viel Psychotherapie ist genug?

Im Durchschnitt enden Therapien in Deutschland heute nach weniger als zehn Stunden. Sind solche kurzen Behandlungen wirklich für alle Klienten gut genug? Oder reagieren die Psychotherapeuten nur auf den Effizienzdruck der Krankenkassen?

Wie viel Psychotherapie ist genug?

Im Durchschnitt enden Therapien in Deutschland heute nach weniger als zehn Stunden. Sind solche kurzen Behandlungen wirklich für alle Klienten gut genug? Oder reagieren die Psychotherapeuten nur auf den Effizienzdruck der Krankenkassen?

Margit kommt wegen eines Burnouts in Therapie, ihre Hausärztin hat eine Depression diagnostiziert. Nach einem halben Jahr und 25 Stunden Therapie sieht Margit sich noch nicht in der Lage, wieder zur Arbeit zu gehen, und bittet ihren Therapeuten um eine Verlängerung. Hendrik ist nach einem Unfall querschnittsgelähmt und leidet seither unter Depressionen. In der Therapie findet er schnell neuen Mut und kann nach ein paar Sitzungen wieder am Leben teilnehmen. Hannah setzt mit einer Rasierklinge hauchdünne Schnitte an ihren Unterarmen. Ihr Therapeut vermutet, sie könnte als Kind sexuell missbraucht worden sein, und beantragt eine Langzeittherapie. Drei Menschen mit sehr unterschiedlichen Problemen, die unterschiedlich schnell und stark von Psychotherapie profitieren. Wie viel Psychotherapie ist genug, und woran lässt sich das erkennen?

Der Erfolg einer Psychotherapie zeigt sich zumeist schon nach den ersten drei Sitzungen, heißt es im Handbuch der Psychotherapie und Verhaltensmodifikation der amerikanischen Psychologen und Psychotherapieforscher Michael L. Lambert, Allen Eric Bergin und Sol L. Garfield. Kenner nennen das Werk auch die „Bibel der Psychotherapieforschung“; ein dicker, zwei Kilo schwerer Wälzer, der alle paar Jahre auf den aktuellen Stand der Wissenschaft gebracht wird. Demnach zeigen sich bei 80 Prozent der am Ende erfolgreich Therapierten schon binnen 150 Minuten entscheidende Verbesserungen. Das stellten die Wissenschaftler mit Blick auf eine Vielzahl von Studien fest, in denen der Zeitpunkt der Veränderung in einer Psychotherapie untersucht wurde.

Bisher waren Forscher und Praktiker stets davon ausgegangen, dass Psychotherapien meist lang andauernde Prozesse sind und die Wirkung nicht gleich am Anfang eintritt. Diese Annahme wurde beispielsweise gestützt durch Untersuchungen, die die Psychiaterin Cornelia Albani und ihre Kollegen 2010…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 6/2017: Konzentrieren Sie sich!
Psychologie Heute Compact 64: Trauer und Verlust
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