Der Hype um das gedopte Hirn

„Millionen dopen am Arbeitsplatz“. Schlagzeilen wie diese suggerieren, dass Hirndoping zum Massenphänomen geworden sei. Doch ein näherer Blick zeigt: Weder ist Hirndoping sonderlich verbreitet, noch taugt es zur „Optimierung“

Der Hype um das gedopte Hirn

„Millionen dopen am Arbeitsplatz“. Schlagzeilen wie diese suggerieren, dass Hirndoping zum Massenphänomen geworden sei. Doch ein näherer Blick zeigt: Weder ist Hirndoping sonderlich verbreitet, noch taugt es zur „Optimierung“

Hirndoping. Unter diesem Begriff wird seit einigen Jahren heftig über die angeblichen Folgen von Leistungsdruck und Beschleunigung diskutiert. Gemeint ist die Einnahme von vermeintlich oder tatsächlich leistungssteigernden oder stimmungsaufhellenden verschreibungspflichtigen Medikamenten durch Gesunde, um dem täglichen Konkurrenzkampf standhalten zu können.

Ich möchte hier zeigen, dass es sich dabei um ein eher situatives und wenig verbreitetes Phänomen handelt, das man keineswegs ignorieren, aber auch nicht dramatisieren sollte. Der zweifellos zunehmende Gebrauch von Psychopharmaka ist im Kern kein Versuch der Leistungssteigerung. Ich betrachte den Medikamentengebrauch ähnlich wie die Inanspruchnahme medizinischer Versorgungsleistungen wie etwa Hüft- oder Knieprothesen, die ja ebenfalls ­zunimmt. All dies sind in meinen Augen legitime Versuche, mit den Problemen des Lebens leidmindernd umzugehen. Sicher, es mag dazu andere Möglichkeiten geben, über deren Vorzugswürdigkeit ich nicht urteilen will.

Diskutiert werden derzeit vier Stoffgruppen: die Antidepressiva, die Antidementiva, die Betablocker und die Stimulanzien wie Ritalin. Hirndoping liegt dann vor, wenn diese Mittel von Gesunden benutzt werden, um entweder die Stimmung in der Freizeit oder die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz zu verbessern, also etwa Konzentration oder Merkfähigkeit zu steigern.

Leistungssteigerung ist gar nicht das Motiv

Nun hat Stimmungsaufhellung in der Freizeit nichts mit geistiger Fitness am Arbeitsplatz zu tun, ist aber verschiedenen Befragungen zufolge häufiger ein Motiv für die Einnahme einschlägiger Substanzen als Leistungssteigerung. Umgangssprachlich formuliert, ist es somit wichtiger, in der Disko durchzuhalten als bei der Arbeit. Diese saloppe Feststellung lässt sich dahingehend präzisieren, dass es auch bei der Arbeit öfter um Wohlfühlen als um Leistungssteigerung geht.

So ergaben qualitative Interviews mit englischen Studenten, dass sie sich vor der Einnahme von Stimulanzien bei Prüfungsvorbereitungen weniger eine Verbesserung der Leistung versprechen als eine verbesserte Stimmung. Einschlägige Substanzen werden also eingenommen, weil man sich dann bei der Prüfungsvorbereitung besser fühlt und sich leichter an die Arbeit macht. Dieses Motiv wird als emotionales im Gegensatz zum kognitiven Enhancement bezeichnet. Auch bei Arbeitnehmern, sofern sie überhaupt dopen, spielt laut dem DAK-Report 2015 das Motiv der besseren oder leichteren Erreichbarkeit beruflicher Ziele eine erhebliche Rolle. Nicht verschwiegen werden sollte, dass auch bei sehr starken Arbeitsbelastungen (Arbeitszeiten über 45 Stunden) eine Zunahme des Hirndopings festzustellen ist.

Was die tatsächlichen kognitiven Effekte angeht, so sind sie minimal bis nichtexistent. Antidementiva bewirken bei Gesunden keine Verbesserung der Gedächtnisleistung, und Stimulanzien verbessern nicht die Aufmerksamkeit oder Konzentration, sondern erhöhen allenfalls die Dauer der Aufmerksamkeitsspanne. Derselbe Effekt lässt sich dem Psychiater Klaus Lieb von der Universitätsmedizin Mainz zufolge mit mehreren Tassen Kaffee ebenfalls erreichen, sodass ein Wettbewerbsvorsprung durch Hirndoping nicht realistisch ist. Einen solchen zu erlangen ist nur für vier Prozent der Befragten überhaupt ein Motiv.

Was nun die Häufigkeit von Hirndoping betrifft, so zeigen verschiedene Studien entgegen dem öffentlichen Meinungsbild („Millionen dopen am Arbeitsplatz“) eine geringe Verbreitung. Unterschieden wird zwischen Lebenslaufprävalenz („Haben Sie ein einschlägiges Medikament mindestens einmal in Ihrem Leben schon zu nichtmedizinischen Zwecken eingenommen?“), Zwölfmonatsprävalenz („Haben Sie es einmal im vergangenen Jahr eingenommen?“) und Einmonatsprävalenz („Haben Sie es einmal, zweimal oder öfter im vergangenen Monat eingenommen?“).

Wer in die letztgenannte Gruppe fällt, gilt als „harter“ Hirndoper. Man kann dies als strenges, vielleicht überstrenges Beurteilungskriterium verstehen. So fällt etwa ein Musiker, der einmal im Monat einen Betablocker einnimmt, um sein Lampenfieber zu bekämpfen, damit bereits in die Kategorie der harten Hirndoper, weil Lampenfieber keine medizinische Indikation für Betablocker ist.

Aber selbst nach diesem strengen Kriterium ergeben verschiedene Untersuchungen, dass allenfalls ein bis vier Prozent der Bevölkerung dieser Gruppe zuzurechnen sind. Schon der DAK-Report von 2009, der 2,2 Prozent harte Doper fand, resümierte, dass dieses Problem nicht weitverbreitet sei und in den Medien überschätzt werde. Der Folgereport von 2015 berichtet eine Zunahme auf 4,2 Prozent, was von entsprechenden Alarmmeldungen in den Medien begleitet war. Der Bericht von 2015 ist aber insofern nicht ganz konsistent, als er neben der Zahl von 4,2 Prozent auch wieder auf die Zahl von 2,2 Prozent zurückkommt und im Resümee von 2 bis 3,5 Prozent harten Dopern spricht. Die 3,5 Prozent kommen zustande, weil den 2,2 Prozent eine Dunkelziffer hinzugerechnet wurde.

Unter Vernachlässigung solcher Feinheiten resümiert auch dieser Bericht erneut: „Die Analysen des Reports zeigen, dass pharmakologisches Neuroenhancement weiterhin kein verbreitetes Phänomen ist. Jedoch ist von einem harten Kern von etwa 2 bis 3,5 Prozent aktuellen und regelmäßigen Konsumenten auszugehen.“

Ähnliches ergibt ein US-amerikanischer Report (SAMHSA), der keine Zunahme zwischen 2002 und 2011 feststellen konnte. Obwohl die USA als Hochburg des Hirndopings gelten, liegt die Einmonatsprävalenz konstant bei 2,4 Prozent. Die gelegentlich durch die Presse zirkulierenden Zahlen von bis zu 20 Prozent dopenden Collegestudenten haben sich als methodenbedingt fehlerhaft erwiesen, weil hier keine repräsentativen Stichproben untersucht wurden. Vielmehr wurden die Daten über Onlinebefragungen gewonnen, bei denen am Thema Interessierte mitwirkten. Bei einer solchen Auswahl ergeben sich immer höhere Zahlen.

Schlussendlich ist zu berücksichtigen, dass der Gebrauch der früheren konventionellen Stimmungsaufheller und Stimulanzien wie Alkohol und Zigaretten seit 1980 kontinuierlich zurückgeht. Selbst wenn man von einer Zunahme von Hirndoping durch Medikamente ausgeht, hätte man es also eher mit einer Verschiebung der verwendeten Mittel zu tun als mit einer Gesamtzunahme.

„Amphetaminepidemie“: eine Neuauflage

Der Verbrauch der unter dem Handelsnamen Ritalin bekannt gewordenen Substanz Methylphenidat hat seit dem Jahr 2000 zugenommen, und zwar erheblich. Es werden Steigerungsraten der Produktionsmenge um das Zehnfache berichtet. Ritalin wird vor allem Kindern ab sechs Jahren und Jugendlichen bei der Aufmerksamkeitsstörung ADHS verschrieben. Einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie von 2013 ist zu entnehmen, dass die Verschreibungshäufigkeit zunimmt, die verschriebenen Tagesdosen aber seit 2010 stagnieren, weil eine vermehrte Verschreibung durch eine verringerte Dosierung kompensiert wird. Seit 2013 geht erstmals auch der Gesamtverbrauch zurück, obwohl das Medikament seit 2011 auch für die Anwendung bei Erwachsenen freigegeben ist.

Bei Ritalin handelt es sich um eine Substanz, die in ihrer Wirkung den Amphetaminen ähnelt. Beide sind schon lange auf dem Markt, Amphetamine verstärkt seit den 1930ern, Ritalin seit den 1950ern. Einem Überblick des Historikers Nicolas Rasmussen von der University of New South Wales kann man entnehmen, dass es in den USA schon einmal eine „Amphetaminepidemie“ gab, zwischen 1950 und 1970. Das Mittel war zunächst verschreibungsfrei erhältlich und wurde neben seinem Einsatz bei Flugpiloten von Langstreckenbombern – im Zivilleben zur Behandlung von Antriebsschwäche und Depression sowie zur Leistungssteigerung und Gewichtsabnahme eingesetzt.

Es erfreute sich seit Anfang der 1950er stark wachsender Verbreitung. Auf dem Gipfel um 1970 – also am Ende von Lyndon B. Johnsons Great Society, die den Höhepunkt des amerikanischen Wohlfahrtskapitalismus markierte – nahmen etwa fünf bis 6,5 Prozent der Amerikaner ein solches Präparat mindestens einmal im Jahr ein. Als Ursache für die weite Verbreitung wurden seinerzeit dieselben Motive vermutet wie heute, nämlich das Bedürfnis nach einer „technischen“ Lösung der Bewältigung zunehmender Stressprobleme, die anscheinend damals nicht geringer waren als heute.

Die Zahl derer, die dieses Mittel nicht einer ärztlichen Indikation entsprechend verwendeten, schätzt Rasmussen auf 3,8 Millionen Amerikaner, wohingegen er für das Jahr 2004 von etwa drei Millionen Menschen ausgeht, die amphetaminähnliche Substanzen ohne medizinischen Grund einnahmen. Dies würde bedeuten, dass der nichtmedizinische Gebrauch im Zeitraum zwischen 1970 und 2004 ­abgenommen hat, und zwar sowohl in absoluten Zahlen (von 3,8 auf 3,0 Millionen) als auch noch ­stärker in relativen, weil die amerikanische Bevölkerung in diesem Zeitraum wuchs. Die Produktionszahlen von Methylphenidat und Amphetaminen ­lagen Ende der 1960er dort, wo sie nach zwischenzeitlicher Absenkung seit 2005 wieder liegen (trotz erheblichen Bevölkerungszuwachses). Die Produktionszunahme dieser Substanzen im besagten Zeitraum betrug somit null.

Mother’s little helper

Auch Hirndoping mit stimmungsaufhellenden Medikamenten und Antidepressiva ist keineswegs eine Erfindung unserer Gegenwart. Der Verbrauch von Benzodiazepinen wie etwa Valium nahm in den Jahren zwischen 1963 und 1975 in ähnlicher Größenordnung zu wie jener der heutigen Antidepressiva. Beide Stoffgruppen, Amphetamin/Ritalin und Benzodiazepine, wurden in den 1950er und 1960er Jahren offensiv zur Leistungssteigerung am Arbeitsplatz sowie zur Bewältigung von Lebensproblemen daheim beworben und eingesetzt.

Den Älteren unter den Lesern wird noch der Song der Rolling Stones über mother’s little helper in Erinnerung sein. Für Überforderung, Niedergeschlagenheit und Müdigkeit gibt es anscheinend immer Gründe. Während heute die work-life-balance, die Arbeitsverdichtung oder die ständige Erreichbarkeit anstrengend sind, waren es damals neben der Arbeit noch die öde und monotone Hausarbeit, die die Hausfrau zermürbte und mental sowie emotional erschöpfte, sodass sie Amphetamine oder andere „kleine Helfer“ benötigte, um wieder in Gang zu kommen.

Dies galt nicht nur für die USA, sondern auch für andere Länder. Laut Lawrence Diller, dem Autor des Buches Running on Ritalin, wies Schweden in den 1960er Jahren einen enormen Ritalinverbrauch zu Erholungs- und Entspannungszwecken auf. Dabei gilt doch gerade dieses Jahrzehnt als Höhepunkt des gemütlichen sozialistischen schwedischen Volksheims (in dem allerdings auch die Zahl der psychischen Störungen im Allgemeinen und der Depressionen im Besonderen zunahm).

Solche historischen Betrachtungen sollen weder dem Medikamentenmissbrauch das Wort reden noch einer gelegentlich ausufernden und unverantwortlichen Bewerbung durch die pharmazeutische Industrie. Sie können und sollen aber das Sensorium dafür stärken, dass es Überforderungsklagen, Erschöpfung und Stress auch zu Zeiten gab, in denen die Arbeitsplätze noch sicher waren, die Scheidungsraten noch niedrig, die Mütter noch weniger berufstätig, die Wirtschaft noch weniger globalisiert und die Welt insgesamt (angeblich) noch in größerer Ordnung als heute. Wer also meint, die heutigen Steigerungsraten im Verbrauch von Antidepressiva und Ritalin seien einem leistungsgierig gewordenen neoliberalen „Raubtierkapitalismus“ anzulasten, darf sich durch die dargestellten Befunde eines Besseren belehren lassen und kann lernen, dass ähnliche Steigerungsraten auch für die 30 Jahre des wohlfahrtsstaatlichen „Haustierkapitalismus“ von 1945 bis 1975 nachgewiesen werden können.

Anspruch auf ein symptomarmes Leben

Was das Hirndoping betrifft, so besteht zu aufgeregter Besorgnis kein Anlass, auch wenn Vorsicht und Umsicht selten schaden können. Es handelt sich insgesamt um ein eher situatives und anlassbezogenes Phänomen, das in seinen stärker verbreiteten Formen allenfalls für eine Minderheit von zwei bis 3,5 Prozent relevant ist. Die dargestellten Befunde stützen deshalb in ihrer Gesamtheit nicht die These, die Lebens- und Arbeitsbedingungen moderner Gesellschaften hätten sich im Lauf der letzten Jahrzehnte so verschlechtert, dass sie nur noch gedopt auszuhalten seien. Es trifft nicht zu, dass der psychische Gesundheitszustand der Bevölkerung unter der » wachsenden Komplexität der Lebensbedingungen so gelitten habe, dass dies zu einem unangemessen steigenden Medikamentengebrauch geführt habe.

Bei den möglichen Gründen für die Zunahme, die in den verschiedenen Überblicksarbeiten zum Thema diskutiert werden, spielen denn auch Überforderung oder Leistungssteigerung keine prominente Rolle. Genannt werden vielmehr folgende Faktoren: sich wandelnde oder unterschiedliche kulturelle Einstellungen zu Medikamentenverschreibung und -gebrauch, die die erheblichen nationalen Unterschiede miterklären könnten; Versorgungsverbesserungen im Sinne eines ausgeweiteten Angebots an Ärzten, Behandlungseinrichtungen, Medikamenten und anderen Therapien; Versicherungen, die sie bezahlen; eine zunehmende Sensibilität für die entsprechenden Krankheiten und Symptome. Durch all dies erhöht sich die Inanspruchnahme medizinischer Dienste, Leistungen und Medikamente ebenso wie durch die Absenkung von Diagnoseschwellen, das Wachstum des Pro-Kopf-Einkommens und die subjektiv gestiegenen Ansprüche an ein gutes, das heißt symptom-armes Leben.

Dies zeigt sich unter anderem auch daran, dass die Medikamentenverschreibungen bei solchen Krankheiten steigen, bei denen man kaum Leistungssteigerungsmotive unterstellen kann. Denn diese Krankheiten sind so schwer, dass in den meisten Fällen bloß Symptome gelindert werden können. So ist etwa die Verordnung von Medikamenten bei Autismus und verwandten Störungen in reichen Ländern in den letzten 20 Jahren kontinuierlich gestiegen, und zwar in ähnlicher Größenordnung wie bei Antidepressiva oder Ritalin. Daraus kann man schließen, dass es sich bei der zunehmenden Psychomedikation in erster Linie um eine Begleiterscheinung wachsenden Wohlstands und zunehmender Behandlungsmöglichkeiten handelt und allenfalls zweitrangig um eine Folge von Überforderung und Leistungssteigerung.

Dass bei ärztlicher Medikation gelegentlich ­kommerzielle Interessen eine Rolle spielen, sollte nicht bestritten werden. Dieses Problem ist aber in europäischen Ländern, in denen die Psychomedikation nur etwa ein Drittel der US-amerikanischen erreicht, aus verschiedenen Gründen deutlich geringer. Entsprechend gehen die Einschätzungen der Fachleute in der Medikamentenfrage erheblich auseinander – von einer Tendenz zur Übermedikation ­speziell in den USA bis hin zu der Auffassung, dass in anderen Ländern (auch Europas) nach wie vor eher eine Unter- als eine Übermedikation das vorrangige Problem ist.

Zwischen Optimierung und Askese

Grundsätzlich erwarte ich, was das Thema Selbst-optimierung und Neuroenhancement in seinen ­verschiedenen Spielarten angeht, für die Zukunft keine brave new world, keine schöne neue Welt der Leistungssteigerungs- und Wohlfühldrogen, sondern eine Situation, in der drei Strömungen koexistieren: Versuche zur Optimierung, Versuche, sich ihr zu ­entziehen, und Kritik an beidem. Einen Mittelweg zwischen Optimierungshypertrophie und pharmazeutischer Askese zu finden wird nicht einfach ­werden. Doch vermutlich kommt es mit Biotechnologie und Neuroenhancement wie mit den neuen Medien: Eine Mehrheit findet sich damit zurecht und wird verantwortungsvoll damit umgehen, eine Minderheit im einstelligen Prozentbereich wird Probleme bekommen.

„Im Ergebnis“, schrieb der Rechtswissenschaftler und Soziologe Wolfgang van den Daele, „gibt es keine hinreichenden Gründe, um zu verhindern, dass Menschen von den technischen Möglichkeiten des Neuroenhancements nach eigener Entscheidung und auf eigene Rechnung, also gewissermaßen in Konsumentenhaltung Gebrauch machen. Man muss am Ende darauf vertrauen, dass sie selbst dabei ein Maß und eine Mitte finden.“

Dieser Text ist ein bearbeiteter Auszug aus Martin Dornes’ neuem Buch, das am 27. April im Fischer-Verlag Frankfurt erscheint: Macht der Kapitalismus depressiv? Über seelische Gesundheit und Krankheit in modernen Gesellschaften.

Dr. Martin Dornes ist Soziologe, Entwicklungspsychologe und Psychoanalytiker. Er arbeitete in Psychiatrie, Psychosomatik, Sexualmedizin und medizinischer Psychologie und gehörte zwölf Jahre lang dem Leitungsgremium des Instituts für Sozialforschung in Frankfurt am Main an.

Literatur

Barmer GEK Arztreport. Schwerpunkt: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen ADHS. Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse, Band 18, Berlin 2013

DAK-Gesundheitsreport 2009 und 2015. Schwerpunktthema jeweils: Doping am Arbeitsplatz. IGES Institut GmbH, Berlin 2009, 2015

L. Diller: The run on ritalin. In: Hastings Center Report 29, 1996, S. 12–18

L. Diller: Running on Ritalin: A Physician Reflects on Children, Society, and Performance in a Pill. Bantam, New York 1999

M. Döpfner u.a.: Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychotherapie und Psychotherapie zum Barmer GEK Arztreport 2013 über die Häufigkeit von Diagnosen einer hyperkinetischen Störung und der Verordnung von Medikamenten zu ihrer Behandlung. 2013. Link

L. Grinspoon, P. Hedblom: The Speed Culture. Amphetamine Use and Abuse in America. Harvard University Press, Cambridge 1975

K. Lieb: Hirndoping. Artemis & Winkler, Mannheim 2010

N. Rasmussen: America’s first amphetamine epidemic 1929–1971. A quantitative and qualitative retrospective with implications for the present. American Journal of Public Healh, 98, 2008, 974–985

SAMSHA: Results from the 2011 national survey on drug use and health: Summary of national findings. 2012. samhsa.gov/data/sites/default/files/NSDUHresults2012/NSDUHresults2012.pdf

R. Schilling u.a.: Pharmakologisches Neuroenhancement. Herausgegeben vom Robert-Koch-Institut Berlin. GBE-kompakt 3/2012. Link

H.-C. Steinhausen: Recent international trends in psychotropic medication prescriptions for children and adolescents. European Child and Adolescnet Psychiatry, 24, 2015, 635–640

E. Taylor: Pediatric psychopharmacology: Too much or too little? World Psychiatry, 12, 2013, 124–125

W. van den Daele: Thesen zur ethischen Debatte um das Neuroenhancement. In: Deutscher Ethikrat (Hg.): Der steuerbare Mensch? Über Einblicke und Eingriffe in unser Gehirn (Jahrestagung des Deutschen Ethikrates 2009), S. 107–114

S. Vrecko: Just how cognitive is „cognitive enhancement“? On the significance of emotions in university students’ experience with study drugs. AJOB Neuroscience, 4/1, 2013, 4–12

R. Whitaker: Anatomy of an Epidemic. Magic Bullets, Psychiatric Drugs, and the Astonishing Rise of Mental Illness in America. Crown, New York 2010

A. Wong u.a.: The variation of psychopharmacological prescription rates for people with autistic spectrum disorder (ASD) in 30 countries. Autism Research, 7/5, 2014, 543–554

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 5/2016: Viel zu tun
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