„Spieler sind in einer Trance“

Natasha Dow Schüll erforscht, wie Glücksspielautomaten unser Verhalten steuern und mit welchen Tricks uns das Design der Maschinen süchtig macht.

Ein Mann sitzt wie im Trancezustand vor einem Spielautomaten
Manche Menschen sind gefährdeter. Vor allem aber hängt das Suchtpotenzial von den Automaten ab. © Markus Scholz/picture alliance/dpa Themendienst

Spielhallen sind ein seltsames Phänomen. Viele haben derlei Etablissements noch nie betreten. Dennoch liegt der Jahresumsatz mit Geldspielautomaten in Deutschland bei sieben Milliarden Euro – und damit siebenmal höher als der Umsatz, den etwa Kinobetreiber mit dem Verkauf von Eintrittskarten erzielen. Für nicht wenige Spieler werden die Automaten gefährlich. Sie machen süchtig. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung urteilt: Die Maschinen sind „risikoreich für das Auftreten von Problemspielverhalten“. Niemand hat die merkwürdige Psychologie hinter den Automaten so gründlich untersucht wie die amerikanische Anthropologin Natasha Dow Schüll.

Professor Schüll, warum haben Sie ausgerechnet Spielautomaten erforscht?

In den 1990er Jahren – ich war noch Studentin – bin ich einmal von New York nach Kalifornien geflogen. Dabei hatte ich eine Zwischenlandung in Las Vegas. Man stieg aus dem Flieger und hörte sofort diese merkwürdigen Geräusche: Überall saßen Menschen vor einarmigen Banditen. Niemand unterhielt sich. Ich hatte so etwas noch nie gesehen – und wusste sofort: Das möchte ich mir näher ansehen.

Korrekt, dass Sie bereits Ihre Bachelorarbeit über Las Vegas geschrieben haben?

Das stimmt. Es war während der Ära der „Disney­fizierung“. Davor saßen in Las Vegas Männer in dunklen Anzügen um Poker- oder Blackjacktische. ­Alles war umweht von dieser Aura des Halbseidenen, Halbkriminellen. Aber auf einmal hat sich die Stadt den ganz normalen Leuten aus der Mittelschicht...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 9/2019: Konzentration finden
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