Operiert er oder operiert er nicht?

Neue Studien zeigen eine Korrelation zwischen Zeitpunkt der Schicht und der Bereitschaft zu operieren.

Wenn Sie eine eventuell ratsame, aber nicht zwingend erforderliche Operation scheuen, kommt Ihnen vielleicht ein Trick zupass: Sehen Sie zu, dass die entscheidende Ja-oder-nein-Konsultation erst gen Schichtende des Chirurgen oder der Chirurgin stattfindet. Denn dann sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass diese einen OP-Termin ansetzen, wie jetzt Forscher an der Universität Linköping in Schweden dokumentiert haben.

Das Team analysierte an einer Klinik 133 Schichten von acht Chirurgen, bei denen sie insgesamt 848 Patienten zur Entscheidung über eine Knie-, Hüft- oder Fußoperation trafen. Es stellte sich heraus: Erfolgte die Besprechung am Anfang der Schicht, wenn der Arzt noch frisch war, entschied er bei vier von zehn Patienten (40,2 Prozent) auf „operieren“. Gen Ende seines Arbeitstages hingegen setzte er nur bei zwei von zehn (21,7 Prozent) einen Operationstermin an.

Verhaltensökonom Gustav Tinghög und seine Mitforscher führen das auf ein psychologisches Phänomen namens decision fatigue zurück: Menschen – und eben auch Ärzte – werden zunehmend entscheidungsmüder, je länger sie geistig gefordert sind. Sie scheuen dann anstrengendes Abwägen und neigen dazu, riskante oder unsichere Entscheidungen aufzuschieben.

DOI: 10.1002/hec.3933

Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 1/2020: Bilder der Kindheit
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