„Lernen lässt sich im Schlaf verstärken … aber es gibt Grenzen“

Über Nacht werden wir gescheiter: In den tiefen Schlafphasen wird das, was wir uns tagsüber eingeprägt haben, im Gehirn noch einmal aktiv verarbeitet: Abends brüten wir über einem Problem, und morgens sind wir der Lösung näher. – Ein Gespräch mit dem Psychologen Jan Born, der mit seinem Team die nächtliche Gedächtnis- und Denkarbeit erforscht hat – und wie sie sich mit Düften und Tönen steigern lässt

„Lernen lässt sich im Schlaf verstärken … aber es gibt Grenzen“

Über Nacht werden wir gescheiter: In den tiefen Schlafphasen wird das, was wir uns tagsüber eingeprägt haben, im Gehirn noch einmal aktiv verarbeitet: Abends brüten wir über einem Problem, und morgens sind wir der Lösung näher. – Ein Gespräch mit dem Psychologen Jan Born, der mit seinem Team die nächtliche Gedächtnis- und Denkarbeit erforscht hat – und wie sie sich mit Düften und Tönen steigern lässt

Herr Professor Born, das Mysteriöse am Gedächtnis ist seine Zwitterstellung zwischen bewusst und unbewusst. Einerseits hat das Gedächtnis eine Schlüsselfunktion unseres Bewusstseins: Ohne es könnten wir kein Gesicht erkennen, keinen Satz formulieren, kein Vorhaben umsetzen. Umso verwunderlicher ist, dass unser Gedächtnis im Schlaf geformt wird, und zwar ausgerechnet in jenen Schlafphasen, in denen wir nicht bei Bewusstsein sind. Wie erklären Sie sich dieses Paradox?

Erstaunlich, nicht wahr? Warum das so ist – darüber können wir momentan nur Vermutungen anstellen. Im Schlaf wird das, was tagsüber frisch im Gedächtnis abgelegt wurde, nicht bloß abgerufen und gefestigt, sondern es wird auch bearbeitet. Aus den ungeordneten Eindrücken des Tages werden „Invarianten“ herausgefiltert: das, was unser Gehirn als regelmäßig und wesentlich erkennt. Und diese Ordnungsarbeit kann es vielleicht am besten erledigen, wenn es sich aus dem Strom von Stimulation und Sinneseindrücken herausnimmt, dem wir tagsüber ständig ausgesetzt sind. Ich vermute, dass wir am Tage all diese Eindrücke sammeln und in einem Puffer ablegen, und nachts gehen wir dann sozusagen offline und vergleichen die Dinge in diesem Puffer auf Ähnlichkeiten und Gesetzmäßigkeiten. Die entdeckten Invarianten werden dann abgespeichert und bilden den Erfahrungsschatz unseres Langzeitgedächtnisses.

Woher weiß man eigentlich, dass wir den Schlaf brauchen, damit frisch Gelerntes gut im Gedächtnis haften bleibt und so bearbeitet werden kann, wie Sie das eben geschildert haben?

Dass Schlaf das Gedächtnis festigt, ist lange bekannt. Das haben Schüler des deutschen Gedächtnispsychologen…

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