„Niemand kennt mich. Und das ist gut so“

Er schreibt Krimis, die eigentlich keine sind. Seine Ermittler suchen selten nach Mördern, aber häufig nach Vermissten und nach der Wahrheit hinter Lebens­lügen. Friedrich Anis Werke sind Romane über die Abgründe des Alltags und über Menschen, die sich in diesem Alltag verlieren. Ein Gespräch über Menschenkenntnis, Psychologie und die Lust am Ver­schwinden

„Niemand kennt mich. Und das ist gut so“

Er schreibt Krimis, die eigentlich keine sind. Seine Ermittler suchen selten nach Mördern, aber häufig nach Vermissten und nach der Wahrheit hinter Lebens­lügen. Friedrich Anis Werke sind Romane über die Abgründe des Alltags und über Menschen, die sich in diesem Alltag verlieren. Ein Gespräch über Menschenkenntnis, Psychologie und die Lust am Ver­schwinden

Ein Fußballer hat mal nach einer Niederlage gesagt, man habe ihm einen „gebrauchten Tag“ angedreht, also einen Tag, an dem alles schiefgeht. Was aber, Herr Ani, ist ein namenloser Tag?

Ein namenloser Tag ist zunächst ein Tag, den es nicht gibt, weil es keinen Tag ohne Namen gibt. In meiner Definition ist ein namenloser Tag ein Tag, an dem die Welt für bestimmte Menschen aufhört zu sein, wie sie bisher war. Ab diesem Tag gibt es keine Zeit mehr, keine Welt mehr, es gibt nur noch Nichts, nur noch Dunkelheit und Entsetzen. Das ist der Tag, an dem es an der Tür klingelt und jemand sagt, ich habe eine schlimme Nachricht für Sie, der oder jener aus Ihrer Familie lebt nicht mehr. Das ist ein namenloser Tag.

Wie reagieren Menschen, für die das Schicksal einen namenlosen Tag bereithält?

Das ist so allgemein nicht zu sagen. Da gibt es eine ganze Palette an Reaktionen. Manche Leute sind einfach nur stumm, manche schreien, manche fallen in Ohnmacht. Und manche lachen. Aber es gibt auch Reaktionen, bei denen Leute komplett kalt reagieren, keine oder sogar negative Reaktionen...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 10/2016: Das stille Ich
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