Mit Musik wachsen

In einem Forschungsprojekt wurde der Werdegang von Kindern verfolgt, die gezielt ein Instrument er­lernten – mit erstaun­lichen Ergebnissen

Mit Musik wachsen

In einem Forschungsprojekt wurde der Werdegang von Kindern verfolgt, die gezielt ein Instrument er­lernten – mit erstaun­lichen Ergebnissen

Die junge Frau singt nicht laut, aber konzentriert. Neben ihr, auf dem Boden des sparsam beleuchteten Zimmerchens, sitzen einige Gleichaltrige. Einer trommelt leise, zwei zupfen die Saiten ihrer Instrumente. Alle summen mit, lächeln und bewegen sich sacht im Rhythmus des Liedes. Ein Bild des Friedens – doch ein äußerst gefährdetes.

Es sind junge Malier, die in diesem Film musizieren, der Timbuktu heißt, mehrere Filmpreise erhielt und für den Oscar nominiert war. Er spielt im Jahr 2012, als die Stadt, die zum Weltkulturerbe zählt, gerade an Dschihadisten gefallen war. Die verkünden sofort per Megafon ihre freudlosen Gebote für ein vermeintlich gottgefälliges Leben. Eines davon: ein striktes Musikverbot. Als der Chefkrieger nachts das Lied erlauscht, schickt er sofort ein Bestrafungskommando. Die jungen Leute entkommen durch den Hinterausgang, nur die Sängerin schafft es nicht mehr. Anderntags wird sie von den Besatzern öffentlich ausgepeitscht.

Es scheint mehr als Widerstandsgeist, was die jungen Leute dazu bringt, dieses Risiko einzugehen. Mit ihrer Musik setzen sie ein Gegengewicht zur trostlosen Gewalt der Besatzer: Lebensfreude. Und sie gehen freundlich miteinander um. Ist das Zufall? Was wäre, wenn sie das Verbot befolgen und auf die Musik verzichten würden? Würde mit ihrer Freude auch ihre Freundlichkeit schwinden?

Mit der Sprache kam das Singen

Die Fundamentalisten sind auf dem Holzweg, wenn sie ernsthaft glauben, sie könnten den Menschen die Musik austreiben. Musik gehört zum Menschen wie der aufrechte Gang. Es gibt keinen Hinweis, dass es je auch nur eine einzige wirklich menschliche Kultur...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 8/2016: Die Harmonie-Lüge
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