Ich bin nicht allein, ich habe ja mich

Alleinsein ist für viele ein Übel, das unbedingt zu meiden ist. Wer den Alleingang scheut, mag sich sicher fühlen – er nimmt sich damit aber auch die Chance auf wertvolle (Selbst-)Erfahrungen

Ich bin nicht allein, ich habe ja mich

Alleinsein ist für viele ein Übel, das unbedingt zu meiden ist. Wer den Alleingang scheut, mag sich sicher fühlen – er nimmt sich damit aber auch die Chance auf wertvolle (Selbst-)Erfahrungen

Allein ausgehen ist für viele Menschen ein Graus. Egal ob es sich um einen Kinobesuch handelt, ein Theaterstück oder den Gang ins Restaurant: Sie bleiben lieber allein zu Hause, als sich ohne Begleitung hinauszuwagen – selbst wenn ihr Interesse groß ist. Der Grund: Sie fürchten das Urteil der anderen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie aus den USA. Demnach scheint es weniger die Abwesenheit anderer zu sein, die uns hemmt, als vielmehr die Befürchtung, negativ bewertet zu werden, wenn wir uns bei solchen Aktivitäten solo in der Öffentlichkeit zeigen. Die Teilnehmer vermuteten, dass Außenstehende sie als weniger beliebt einstufen würden und auch sie selbst weniger Spaß empfänden. Zweckmäßige Tätigkeiten wie Einkaufen oder einen Spaziergang für die Gesundheit erledigten sie dagegen problemlos allein.

Aber verbessert ein Begleiter ein Erlebnis wie einen Galeriebesuch tatsächlich so entscheidend, dass man ohne ihn besser darauf verzichtet? In der Studie war das entgegen der vorher geäußerten Befürchtung der Probanden nicht der Fall. Die Autorinnen sagen auch deshalb entschieden nein: Wir überschätzen, wie viel mehr Freude wir mit einer vertrauten Person an der Seite hätten, und verzichten daher leichtfertig auf Erfahrungen, die unser Leben bereichern und sogar zu neuen Kontakten führen könnten. Im Zweifel sollten wir, statt unbegleitet drinnen zu bleiben, also lieber allein nach draußen gehen, raten sie – immer wieder, denn Übung macht es leichter.

Tatsächlich kosten solche Alleingänge in die Öffentlichkeit wohl die meisten von uns mehr oder weniger Überwindung, egal wie viele Kontakte wir pflegen. Für viele scheint es die am schwersten auszuhaltende Form des Alleinseins zu sein: als Solitär inmitten von Verbundenen, gezwungen zum...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 12/2015: Zum Glück allein
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