„Die Reizüberflutung macht uns blind für das Wesentliche“

Wenn wir es nicht schaffen, in unserem Alltag zur Ruhe zu kommen, dann haben wir möglicherweise Angst vor der Stille, meint die Psychologin und Zenmeisterin Anna Gamma. Denn in der Stille tauchen Seiten von uns auf, die wir vielleicht nicht wahrhaben wollen

„Die Reizüberflutung macht uns blind für das Wesentliche“

Wenn wir es nicht schaffen, in unserem Alltag zur Ruhe zu kommen, dann haben wir möglicherweise Angst vor der Stille, meint die Psychologin und Zenmeisterin Anna Gamma. Denn in der Stille tauchen Seiten von uns auf, die wir vielleicht nicht wahrhaben wollen

Im Zen wird betont, dass Meditation und dynamisches Handeln untrennbar verbunden sind. Wie hängen Tun und Nichtstun zusammen?

Es ist ein Grundbedürfnis des Menschen, handelnd in der Welt zu stehen. Und dieses Bedürfnis ist genährt von einem tieferen Bedürfnis, nämlich gebraucht zu werden, nützlich zu sein. Und das noch tiefere Bedürfnis ist aus meiner Perspektive das Bedürfnis dazuzugehören, Teil eines größeren Ganzen zu sein und darin auch Heimat zu finden. Dadurch, dass sich unser Leben sehr beschleunigt hat, ist die Gefahr sehr groß, dass wir machen, machen, machen und uns dabei getrieben fühlen. Wir möchten unser Leben gestalten, erfahren jedoch, dass das Leben uns gestaltet.

Spätestens in der Lebensmitte stellen sich viele Menschen die Frage: Warum bin ich hier? Was ist meine Aufgabe in dieser Welt? Was gibt meinem Tun Tiefe und Sinn? Diese Fragen lassen sich nicht mit dem logisch-rationalen Verstand klären. Wir haben einen anderen Zugang zu finden, und damit sind wir beim Nichtstun. Es kostet viel Mut, den Weg zum Nichtstun zu beschreiten. Denn wir leben in einer Kultur, in der wir verführt werden, uns im Oberflächenbereich zu bewegen und ständig aktiv zu sein. Viele machen jedoch die Erfahrung, dass sie dauernd in Aktion sind, die Dinge aber nicht wirklich gelingen oder sich nicht richtig anfühlen. Doch wie kommen wir überhaupt dazu, das Richtige zu tun? Für mich gibt es nur einen Weg: nach der inneren Verankerung und dem inneren Halt zu suchen. Mein Weg ist Zen, aber es gibt natürlich viele andere Wege.

Das bedeutet anhalten, schweigen, die Stille zulassen. Also exakt das Gegenteil dessen, was wir normalerweise tun?

Deshalb braucht es Mut, und dieser Mut wird belohnt. Es geht darum, in Einklang zu kommen mit sich selbst und aus diesem Einklang heraus zu handeln. Das ist der Weg jeder...

Den kompletten Artikel können Sie bei uns kaufen oder freischalten.

Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 5/2015: Nichtstun
file_download print

News

Leben
Menschen denken sehr unterschiedlich über das Träumen. Doch kaum jemand steht Träumen gleichgültig gegenüber.
Gesundheit
Ob die Integration von Geflüchteten gelingt, hängt auch vom seelischen Zustand der Betreffenden ab.
Beziehung
Das Gesicht scheint bei der Partnerwahl wichtiger als der Körper zu sein. Gilt das für beide Geschlechter?