Am Trauma wachsen

Viele Jahre lang konzentrierte sich die psychologische Forschung auf die negativen Auswirkungen erschütternder Erlebnisse. Es gibt jedoch auch Menschen, die aus solchen Krisen gestärkt hervorgehen. Und das sind gar nicht so wenige

Am Trauma wachsen

Viele Jahre lang konzentrierte sich die psychologische Forschung auf die negativen Auswirkungen erschütternder Erlebnisse. Es gibt jedoch auch Menschen, die aus solchen Krisen gestärkt hervorgehen. Und das sind gar nicht so wenige

Stellen Sie sich bitte ein Geschenk vor … Es wird Ihre gesamte Familie zusammenbringen. Sie werden sich so geliebt und anerkannt fühlen wie nie zuvor … Das Geschenk wird Ihnen eine neue Einstellung zu dem geben, was in Ihrem Leben wirklich wichtig ist.“ Wer bekäme nicht gerne ein solches Präsent wie Stacey Kramer, eine amerikanische Marketingexpertin? Und doch würde sie es uns nicht wünschen und vermutet, dass wir es auch gar nicht haben wollten. Wovon die Rede ist? Von einem Hämangioblastom, einem gutartigen Hirntumor. Obwohl er keine Metastasen bildet, sich also nicht im Körper ausbreitet, besteht die Gefahr, dass nach der Operation eine körperliche Behinderung bleibt. Trotzdem betrachtet Kramer die Krankheit als Geschenk. Tatsächlich kommt es gar nicht so selten vor, dass Menschen, die Schweres durchmachen, daran wachsen.

Mitte der 1990er Jahre prägten Lawrence Calhoun und Richard Tedeschi, zwei Psychologieprofessoren an der University of North Carolina in Charlotte, den Begriff posttraumatisches Wachstum (posttraumatic growth, PTG) und definierten es als positive Veränderung, die jemand als Folge der Auseinandersetzung mit einem traumatischen Ereignis erfährt. In ihrem Buch Posttraumatic growth in clinical practice sprechen sie vom „Paradox des Wachstums“, das sich mit der Formulierung „verletzlicher und doch stärker“ zusammenfassen lasse. „Verluste und Leiden lehren Menschen, speziell jene unter uns in der westlichen Tradition des Individualismus, des Glaubens an persönliche Kontrolle und der Selbstverantwortung, dass uns schlimme Dinge zustoßen können, manchmal ohne Vorwarnung und in einer Weise, die uns keine Kontrolle über den Ausgang lässt.“

Wachstum bedeutet in diesem Zusammenhang: Die Betreffenden kehren nicht zu einem seelischen Zustand zurück, der dem vor dem traumatischen Erlebnis gleicht, sondern sie entwickeln sich weiter. Typische Aussagen Betroffener sind: „Ich bin viel stärker, als ich jemals gedacht hatte.“ Oder: „Du...

Den kompletten Artikel können Sie bei uns kaufen oder freischalten.

Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 3/2015: Vorwärts Leben
file_download print

News

Leben
Welche Tipps würden Sie ihrem jüngeren Selbst geben? Eine Studie zeigt, was Menschen im Rückblick bewegt und was vor Reue schützt.
Beziehung
Toxische Beziehungen: Wie Partner von Narzissten deren Strategien nachahmen
Gesundheit
Warum fühlt es sich so erleichternd an, wenn man Tränen vergießt? Australische Forscher haben eine biologische Erklärung gefunden.