„ ...  und führe dich nicht in Versuchung!“

Ganz ehrlich – wie gut können Sie Versuchungen widerstehen? Etwa am Kuchenbuffet oder beim Shoppen? Die Psychologin Kathleen Vohs untersucht die Kraft, die Widerstand und Selbstkontrolle möglich macht: Willensstärke

„ ...  und führe dich nicht in Versuchung!“

Ganz ehrlich – wie gut können Sie Versuchungen widerstehen? Etwa am Kuchenbuffet oder beim Shoppen? Die Psychologin Kathleen Vohs untersucht die Kraft, die Widerstand und Selbstkontrolle möglich macht: Willensstärke

Frau Professor Vohs, was sagt Ihnen der Slogan Yes we tan?

Ein Spottwort auf Barack Obama und sein Motto Yes we can. Es kam auf, als der Präsident kürzlich im Weißen Haus vor die Öffentlichkeit trat, um neue Erkenntnisse über den Terror der IS-Milizen im Irak mitzuteilen. Er trug dabei einen hellen Sommeranzug, der seinen Teint unterstrich, also den tan, und der überhaupt sehr nach Urlaub aussah. Vielleicht nicht ganz passend, okay, aber die Medien überschlugen sich vor Empörung. Als gäbe es nichts Wichtigeres zu kommentieren als diesen kleinen Fehlgriff …

Fühlen Sie sich verantwortlich?

Sollte ich?

Haben Sie nicht dem Präsidenten bei der Auswahl seiner Kleidung geholfen?

Ich habe vor einiger Zeit einen Artikel veröffentlicht, in dem ich die Befunde aus meinem Labor zusammenfasse zu einem Phänomen, das ich decision fatigue nenne, also Entschlussmüdigkeit. Sie belegen, dass nach einer Reihe von Entscheidungen unsere Energie für weitere Entschlüsse nachlässt; stellen Sie sich das etwa so vor wie bei einem Muskel, der nach starker Beanspruchung nicht mehr seine volle Leistung bringt. Irgendwie hat der Text seinen Weg ins Weiße Haus gefunden. Jedenfalls bezog sich der Präsident ganz explizit auf Forschungsergebnisse wie unsere, als ein Reporter ihn fragte, was sich in seinem Privatleben durch das Amt geändert habe. Obama gab zur Antwort, dass er Alltäglichkeiten wie die Wahl der Kleidung oder des Speiseplans seither anderen überlässt, um seine Kraft auf die wichtigen Entscheidungen seines Amtes zu konzentrieren. Aber glauben Sie deshalb bitte nicht, dass ich ihm seine Anzüge herauslege!

Immerhin, der Präsident der USA reagiert auf den Rat der Psychologie. Aber ist es nicht ein Zeichen von Schwäche, wenn er sagt, er könne sich bei all den Anforderungen an sein Amt nicht auch noch Gedanken um seine Anzüge machen?

Im Gegenteil! Es ist Ausdruck einer geradezu weisen Einsicht in...

Den kompletten Artikel können Sie bei uns kaufen oder freischalten.

Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 2/2015: Die Angst vor Nähe
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