Bin ich gut genug?

Selbstzweifel sind unangenehm, doch man kann viel von ihnen lernen, wenn man die guten von den schlechten unterscheidet

Ein Frau mit gemalten Wörtern auf dem Gesicht, wie zum Beispiel "Klüger", "Offener" und "Ehrlicher" schaut voller Zweifel in die Ferne
© Silke Weinsheimer

Verhalte ich mich richtig? Strenge ich mich genug an? Die meisten Menschen kennen Selbstzweifel, mal mehr, mal weniger ausgeprägt. Kein Wunder, dass Ratgeberliteratur und Coaching zu dem Thema boomen. Aber: Kann man sich Unsicherheiten einfach so ausreden? Erzählen sie nicht auch etwas Wichtiges über die eigene Person?

Der Vergleich zwischen Real- und Ideal-Selbst

Selbstzweifel sind kein neues Phänomen. Bereits im Jahr 1890 beschrieb der US-amerikanische Psychologe und Philosoph William James in seinem Lebenswerk The Principles of Psychology die Grundlagen von Selbstwertgefühl und Selbstzweifel. Williams Gedanken haben bis heute Gültigkeit: Selbstzweifel entstehen aus der Diskrepanz zwischen dem Real-Selbst und dem Ideal-Selbst.

Sie sind also das Ergebnis des Vergleichs, wie man ist und wie man gerne wäre. Die einfache Formel dazu: Je größer der Unterschied zwischen Realität und Ideal, desto größer die Selbstzweifel. Ob wir uns zweifelsfrei richtig gut finden – oder all unser Tun und Dasein als verbesserungswürdig erachten –, ist das Resultat einer höchst subjektiven Bewertung.

Dabei sind Unsicherheiten eigentlich eine kostbare Fähigkeit. Im besten Fall stellen wir fest, dass wir beim nächsten Mal sorgfältiger arbeiten, weniger trinken oder unserer Beziehung mehr Aufmerksamkeit schenken sollten. Ein äußerst hilfreicher Mechanismus, wie Astrid Schütz, Persönlichkeitspsychologin von der Universität Bamberg erklärt. Unsicherheiten können auch als Motivator für zukünftige Ereignisse nützlich sein. Beispielsweise vor einem wichtigen Gespräch: „Die Selbstzweifel führen dazu, dass man sich besser vorbereitet oder aber seine Erwartungen an die realistischen Möglichkeiten anpasst“, so Schütz. Solange uns Selbstzweifel dazu bringen, aus Niederlagen zu lernen, bezeichnen Psychologen sie als konstruktiv. Während sie auf diese Weise eine wertvolle Ressource darstellen, zieht die andere Erscheinungsform der Selbstzweifel durchaus Probleme nach sich: die destruktive.

In unserem aktuellen Heft „Bin ich gut genug“ können Sie den ganzen Beitrag von Carola Kleinschmidt lesen und erfahren, wie Selbstzweifel entstehen, wie man ihre destruktiven Aspekte eindämmt und an den konstruktiven wächst.

Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 5/2019: Bin ich gut genug?
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