Beklemmende Begierde

Seit seiner Jugend erregen ihn junge Mädchen. Viele Jahre lang war der Protagonist dieser Reportage süchtig nach Kinderpornografie. Im Rahmen des Präventionsprojekts „Kein Täter werden“ hat er gelernt, sein Verhalten zu kontrollieren. Aber seine pädophile Neigung wird bleiben. Er darf ihr nicht nachgeben. Nie!

Beklemmende Begierde

Seit seiner Jugend erregen ihn junge Mädchen. Viele Jahre lang war der Protagonist dieser Reportage süchtig nach Kinderpornografie. Im Rahmen des Präventionsprojekts „Kein Täter werden“ hat er gelernt, sein Verhalten zu kontrollieren. Aber seine pädophile Neigung wird bleiben. Er darf ihr nicht nachgeben. Nie!

Er hat alles versucht, um davon loszukommen. Gute Vorsätze, Gestalttherapie, Psychoanalyse. Da hat er sich vor allem mit seiner Kindheit beschäftigt. Mit seiner Mutter, die ungewollt mit ihm schwanger geworden war. Die ihn als Baby hässlich fand und ihn später schlug, bis er begann, sich zu wehren. Mit dem strengen Vater, der ihm verbot, sich zu kleiden und zu frisieren, wie er es wollte. Der ihn verdrosch, wenn er nicht spurte. Und mit seiner Schwester, die er vergötterte, bis sie ihm eines Tages erzählte, dass sie ihn gequält hatte, wenn sie auf ihn aufpassen musste. In Erinnerungsfetzen, die hochkamen, war die Gewalt, die sie ihm antat, sexuell geprägt.

Das alles besprach er zwei Jahre lang mit einem Psychoanalytiker. Die frühen Alkoholexzesse, Schlägereien. „Ich wusste danach mehr über mich, aber mein Suchtverhalten hat das überhaupt nicht verändert“, sagt der Mann, der in dieser Geschichte Ralf Thieme heißen soll. Der seinen richtigen Namen nicht nennt, weil er befürchtet, zum Hassobjekt zu werden. Weil er einer ist, den zehnjährige Mädchen sexuell erregen. Ein Pädophiler. Einer, den viele am liebsten für immer wegsperren würden, damit er keine Kinder missbrauchen kann. Weil viele schon die Neigung mit Sexualstraftaten gleichsetzen.

Über einen Zeitraum von 20 Jahren war Ralf Thieme süchtig nach Missbrauchsdarstellungen von Kindern. Seit es über das Internet möglich wurde, befriedigte er sich zu Bildern, in denen Erwachsene Kinder vergewaltigen. „Ich habe das ganze Spektrum von Kinderpornografie gesehen. Die Intensität…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 2/2016: Sprich mit Dir!
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