Zu Fuß zu sich selbst

​Nirgends erlebt man die Vielfalt der Natur so wie beim Wandern – und kann nebenbei noch zu zur eigenen Mitte finden.

Frau beim Wandern lächelt über die Verbindung zur Natur und zu sich selbst
Wandern: die natürlichste Form der Entschleunigung. © Getty

Wanderlust ist eines der Wörter, das die englische Sprache aus dem Deutschen entlehnt hat. So richtig alt ist die Wortfügung im Deutschen nicht, geprägt hat sie wohl erst die Romantik. „O Wandern, Wandern, ­meine Lust“, dichtete der Handwerkersohn Wilhelm Müller aus Dessau, Franz Schubert hat die Verse in Wien vertont. Wanderlust, so wie es heute im angelsächsischen Sprachraum verwendet wird, meint vor allem: Lust am freien Schweifen, Freiheitsdrang. Von dieser Bedeutung zehrt auch bei uns die aktuelle Renaissance der Fortbewegung auf zwei Beinen.

Das neue Wandern ist selbstbestimmt, leichtfüßig, entdeckend – und ein Stück extremer. „Draußen zu Hause“ – der griffige Reklamespruch aus der Outdoorbranche beschreibt ein Kontrastprogramm zum urbanen Alltag. Büromenschen gehen im Durchschnitt drei bis fünf Kilometer pro Woche zu Fuß. Die Jäger und Sammlerinnen vormoderner Kulturen gingen 20 bis 40 Kilometer am Tag. Dafür ist unser Körper bis in die feinsten Nervenbahnen hinein angelegt. Wir bewegen uns sitzend in Fahrzeugkabinen oder in den virtuellen Räumen des Internets. Gleichzeitig beschleunigt sich das Lebenstempo. Aktivitäten, Arbeitsabläufe, Erlebnisse verlaufen schneller und flüchtiger.

Die Kombination von rasender Beschleunigung und fataler Bewegungsarmut tut uns nicht gut. Das merken wir täglich. Die alte Kunst des Wanderns ist heute Einspruch gegen das Diktat der Beschleunigung und – ebenso wichtig – eine Strategie gegen die rapide Entsinnlichung des Alltags.

Die…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute Compact 54: Natur & Psyche
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