Zeit finden

Warum sind wir so gehetzt? Wir haben ein Gespür für den Geldwert, nicht aber für den Zeitwert unseres Tuns. Wie wir unseren Zeitwohlstand mehren.

Die Illustration zeigt einen Mann in einem Ruderboot auf dem Trockenen in einer Uhr und das Armband ist ein fließendes Gewässer.
Wir arbeiten zu jeder Stunde und wenn wir einen Moment Freizeit haben, verschwenden wir sie. © Orlando Hoetzel

Mit einer Wahrscheinlichkeit von acht zu zwei zählen Sie zu den ärmsten Menschen der Welt. Ich rede nicht von Ihrem Bankkonto (obwohl materielle Armut eine drängende Sorge in unserer Gesellschaft ist). Ich meine vielmehr, dass Sie zeitarm sind: Sie haben zu viele Dinge zu tun und zu wenig Zeit, um sie zu tun. In so unterschiedlichen Ländern wie den Vereinigten Staaten, Deutschland oder Japan ist die Zeitarmut auf einem Allzeithoch, wie Studien zeigen.

Niemand ist immun gegen das erdrückende Gefühl von Zeitnot. Während ich hier an meinem Küchentisch sitze und tippe, spüre auch ich dieses Gehetztsein. Für mich ist es eine einschnürende Empfindung im Magen. Heute Morgen erhielt ich eine Mail von einer Studentin, die mich dringend um Hilfe bei einer Arbeit bat, was mich davon abhielt, gleich mit diesem Text hier zu beginnen, wie ich es mir vorgenommen hatte.

Sogar jetzt, während ich schreibe, habe ich ein Auge auf mein Handy. Jeden Moment wird mich ein Kollege anrufen, der mit einer drohenden Deadline zu kämpfen hat. Wegen eines Arzttermins werde ich heute ohnehin früh Schluss machen müssen, dann werde ich nach Hause huschen und ein spätes Abendessen aus Salat und was auch immer zusammenfummeln, bevor ich mich wieder dem Posteingang und meiner fortlaufenden To-do-Liste zuwende.

Nie genug Zeit

Diese Liste habe ich auf meinem Laptop ständig geöffnet, und sie erstreckt sich über Seiten. Ich kann dort gar nicht alles eintragen, was ich fertigstellen müsste. Ich werde versuchen, einen Moment Zeit für ein Gespräch mit meinem Partner zu finden. Für einen Chat mit…

Den kompletten Artikel können Sie bei uns kaufen oder freischalten.

Artikel zum Thema
Beruf
Warum der Montagsblues nicht sein muss und welcher Tag sich für ein Brainstorming eignet, erklärt Arbeitspsychologe Oliver Weigelt.
Leben
Flat-TV oder Fernreise? Wer etwas kauft, glaubt zu wissen, was ihn glücklich macht. Wie wir maximal zufrieden werden, haben Psychologen erforscht.
Gesellschaft
Susann Buda ist Erzieherin in einer städtischen Kita. Hier erzählt sie von ihrem stressigen Arbeitsalltag – und warum sie schon morgens Panikattacken hat.
Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 10/2021: Zeit finden
Psychologie Heute Compact 68: Entdecke dich selbst
file_download print

Die Redaktion empfiehlt

Beziehung
Zweifel an der eigenen Beziehung sind eine große Belastung – für den Partner und insbesondere den Betroffenen.
Leben
Die Persönlichkeitsstörung ist in aller Munde – überall lauern scheinbar selbstverliebte Egomanen. ► Doch wie tickt ein Narzisst wirklich?
Beruf
Viele Menschen fühlen sich erschöpft: zu viele Pflichten, zu viel Druck. Über den Zustand kurz vorm Burn-out – und wie wir uns daraus befreien.