„Wegstecken und vorwärtsschauen“

Therapiestunde: Ein junger Klient bleibt dem Verkehrspsychologen gegenüber einsilbig und unbeteiligt freundlich – bis der Therapeut die Geduld verliert.

Die Illustration zeigt einen Mann in stolzer Siegerposition und Lorbeerkranz auf dem Kopf, der auf einem Podest steht, in Form eines Sportwagens
Erst durch die Skulpturarbeit werden die Sitzungen mit dem Verkehrspsychologen therapeutisch. © Michel Streich

Ein Schrank von einem Mann kommt in meine psychotherapeutische Praxis. Er setzt sich hin und beantwortet freund­lich meine Fragen. Als verkehrspsychologischer Therapeut empfange ich nur sehr selten Frauen. In der Regel sind meine Klienten Männer, die eher unfreundlich-distanziert in die erste Therapiestunde kommen.

Meistens haben sie bereits mehrere schwere Verkehrsdelikte begangen und wurden dann in einer Begutachtung als charakterlich problematisch für eine Teilnahme am Straßenverkehr eingestuft. Diese Klien­ten zeigen meistens keine Behandlungsmotivation und halten die verordnete Therapie – in der Regel sind dies zehn bis fünfzehn Sitzungen – für reine Geldmacherei, was sie auch (meist nonverbal) deutlich zum Ausdruck bringen.

Freundlich einsilbig

Nichts Unfreundliches kommt mir bei diesem jungen Mann entgegen, eher eine gewisse Unsicherheit und Schüchternheit. In der ersten Therapiestunde informiere ich mich über die Verkehrsvorgeschichte und die Lebenssituation. Er gibt freundlich, wenn auch etwas einsilbig Auskunft: Er ist 24 Jahre alt, von Beruf Zimmermann, und er lebt mit seiner Freundin zusammen. Ihm wurde wegen zwei massiver Geschwindigkeitsüberschreitungen der Fahrausweis provisorisch entzogen.

Ich mache eine kleine Aufstellung mit Spielfiguren auf dem Tisch, wobei ich den jungen Mann in drei Rollen aufstelle: als Verkehrsdelinquent, als Begutachteter und als Klient in der Therapie. Ich stelle noch andere Figuren hinzu: die Gutachterin, einen Behördenvertreter, den Therapeuten.…

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