Ein Treffen von Himmel und Erde

Gotteshäuser nennen wir Kirchen. Was macht ihre Architektur mit uns? Wie fühlen wir uns in ihnen? Über die Psychologie der Kirche.

Die Kirchensäulen mit Heiligenfiguren im Innenraum eines Gotteshauses
In der Kirche wird der Besucher mit einer Mischung aus dichter Stille, schummrigem Halbdunkel und leicht modrigem Geruch empfangen. © plainpicture/By.

Die Kirche fällt auf. Sie ist schon von außen anders als die übrigen Gebäude. Dominant weist sie nach oben. Den Himmel aber will sie nicht erreichen, wie es die Wolkenkratzer immer wieder vergeblich versuchen. Wuchtig und fest bleibt sie auf der Erde stehen. Den Himmel zeigt sie nur.

Derart gespannt, zwischen Erde und Himmel ausgestreckt, werden die Vorbeigehenden an sich selbst erinnert, an ihren aufrechten Gang. Die Spannung der Kirche aufnehmend, richten sie sich unwillkürlich leicht auf. Der Mensch erreicht mit seiner Haltung zwar auch nicht den Himmel, er bleibt mit beiden Beinen auf der Erde, weist aber – anders als das vierfüßig der Erde verhaftete Tier – mit seinem Gang ebenfalls nach oben. Sollte er dem Impuls nachgehen? Sollte er seinen Stadtgang unterbrechen und einen Kirchgang einlegen?

Neugier steigt auf: Wie sieht es wohl drinnen aus? Wie wird es ihm in der Kirche gehen? Unter dem Turm findet sich der Eingang. Bis zur Tür sind immer einige Stufen zu überwinden: Sie laden ein und weisen zugleich auch ab. Der Turm drückt mit seiner Höhe, die Tür ist schwer, vielleicht verschlossen. Wer hinein will, muss es wollen. Niemand gerät einfach in eine Kirche hinein.

Rhythmisch gegliedert

Innen umfängt die Eintretenden dichte Stille aus schummrigem Halbdunkel und leicht modrigem Geruch. Grabplatten an den Seiten rechts und links verstärken den beklommenen Eindruck. Ist der Empfangsraum eine Grabkammer? Bodenlos droht sich ein Abgrund unter den…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 1/2022: Stille Aufträge
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