Mir ist langweilig

Langeweile finden viele unangenehm. Wenn wir sie nicht mögen, wird es schlimmer und wir langweilen uns häufiger, wie eine Studie zeigt.

Manchmal fällt uns ein, wie wir aus der Langeweile wieder herauskommen. © Justin Paget/Getty Images

Da hat man mal ein bisschen Zeit – und weiß nichts damit anzufangen. Dieser leicht angespannte Zustand von Leere, Sinnlosigkeit, verbunden mit dem Gefühl, nichts dagegen tun zu können, heißt Langeweile. Manche finden es normal, so etwas kann vorkommen. Es gibt eine Gruppe von Personen, die Langeweile regelrecht hassen – und das sind die, die sie am häufigsten und am intensivsten erleben. Dies ist das Ergebnis einer Studie, für die junge Menschen aus Großbritannien, insgesamt fast 2500 an der Zahl, befragt wurden. Mehr als 300 Teilnehmende aus Israel wurden zusätzlich über mehrere Wochen hinweg mehrmals befragt, wie häufig Langeweile bei ihnen vorkam und wie sie das beurteilten. Die Versuchspersonen waren zwischen 12 und 25 Jahren alt. 

Die Forscherinnen und Forscher gingen der Frage nach, ob die Art wie wir über Langeweile denken und ob dies im Zusammenhang damit steht, wie und wie oft wir sie erleben. Sie untersuchten also boredom beliefs und zwar bei Jüngeren, die entwicklungsbedingt oft stärker unter Langeweile leiden, wie das Team erklärt. Außerdem fand die Studie während der Coronapandemie statt, was viele Menschen häufiger mit Langeweile konfrontierte, als sie es gewohnt waren. Ausgangspunkt ihrer Studien waren zudem Untersuchungen, wonach auch unser Erleben anderer Gefühle davon beeinflusst wird, wie wir über Gefühle denken und wie wir sie beurteilen: Wenn ich mich ärgere und das blöd finde, verstärkt das den Ärger. 

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellten fest: Eine Abneigung (boredom dislike) gegen Langeweile ging mit einer signifikant höheren Frequenz einher und auch die Intensität war deutlich stärker. Je ausgeprägter die Abneigung gegen Langeweile, desto mehr war auch das Wohlbefinden im Vergleich zu anderen Teilnehmenden beeinträchtigt. Bei der Längsschnittstudie mit den 300 jungen Personen aus Israel zeigte sich: Erlebten sie im Befragungszeitraum häufiger Langeweile, berichteten sie nicht, dass ihr Wohlbefinden zurückging. Aber auch bei diesen Teilnehmenden war es offenbar so: Sie erlebten Langeweile umso intensiver, je mehr sie dagegen ohnehin eine Abneigung hatten. 

Richtig auf Langeweile reagieren

Die Schlussfolgerung: Möglicherweise waren die Personen, die Langeweile ganz besonders hassten, nicht in der Lage, sich anzupassen und angemessen darauf zu reagieren, schreibt das Forschungsteam. Psychologische Forschungen legen nahe, dass das in der Tat nicht immer gelingt. So zeigten Studien, dass Menschen, die sich langweilen, mehr und ungesünder essen, zu riskanterem Verhalten neigen – vor allem, wenn sie ohnehin nicht gut darin sind, ihre Emotionen zu regulieren und nicht genügend Selbstkontrolle haben. Zwei Möglichkeiten werden gesehen, mit Langeweile zurecht zu kommen: Entweder die eigenen Gedanken mal sortieren, ganz in Ruhe. Oder etwas tun, das lenkt ab. 

Katy Y.Y. Tam u. a.: Boredom beliefs moderates the mental health impact of boredom among young people: Correlational and multi-wave longitudinal evidence gathered during the COVID-19 pandemic. Journal of Personality, 2022. DOI: 10.1111/jopy.12764

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