Frauen denken lieber heiß

Je wärmer, desto besser – dieses Credo passt nicht nur auf das Wärmeempfinden, sondern auch die Denkleistung vieler Frauen.

Frauen mögen es in der Wohnung wie auch im Büro lieber wärmer, Männer dagegen kühler. Deshalb tobt in vielen Familien und Betrieben der „Kampf um den Thermostat“, so jedenfalls die Botschaft vieler Medienberichte, die von Umfragen untermauert werden. Doch offenbar geht es nicht nur ums Wohlgefühl. Frauen fallen auch Wörter eher ein und sie rechnen besser, wenn es wärmer ist – oder gar heiß. Zu diesem Resultat kommt jedenfalls eine Studie mit 543 Berliner Studierenden.

Jeweils etwa zwei Dutzend Teilnehmende wurden in einen Raum gesetzt und lösten einzeln eine Stunde lang verschiedene Aufgaben. Mal kühlten die Forscher den Raum vorher auf 16 Grad herunter, mal heizten sie den Versuchspersonen mit 33 Grad ein. Dann mussten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen fünf Minuten lang Blöcke von jeweils fünf zweistelligen Zahlen zusammenzählen.

Je höher, desto besser

Die Frauen schafften umso mehr richtige Lösungen, je wärmer es war – bis hinauf zu 33 Grad. Auch wurden sie immer besser, wenn es galt, aus je zehn vorgegebenen Buchstaben möglichst viele Wörter zu bilden. Männer dagegen funktionierten bei geringeren Wärmegraden denkerisch besser, allerdings nur vergleichsweise geringfügig, denn sie erwiesen sich beim Aufgabenlösen generell als weniger temperaturempfindlich als Frauen.

Frauen, so stellte sich heraus, liefern bei höheren Temperaturen mehr richtige Antworten, weil sie dann mehr Aufgaben überhaupt in Angriff nehmen. Warum sie allerdings erst so richtig aufdrehen, wenn vielen Männern schon der Schweiß von der Stirn tropft und Schulkinder längst hitzefrei bekämen, erklärt die Untersuchung nicht.

Mit jedem zusätzlichen Grad Wärme schafften die Frauen knapp 1,8 Prozent mehr richtige Lösungen – bei der höchsten gegenüber der niedrigsten untersuchten Temperatur also gut ein Viertel mehr. Im Büro oder gar in einer Prüfung könnte die Temperatur demnach einen erheblichen Einfluss entfalten. Womöglich verschärft der Befund den „Kampf um den Thermostat“ also noch erheblich – etwa wenn es um die Raumtemperatur beim Matheabitur geht.

DOI: 10.1371/journal.pone.0216362

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 1/2020: Bilder der Kindheit
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