Zu viele Unterbrechungen?

Kollegen, die mit uns sprechen wollen oder unerwartete Softwareprobleme, Unterbrechungen sind normal. Werden es zu viele, tut das nicht gut.

Ungewollte Unterbrechungen bei der Arbeit sind nicht selten und in der Regel kommen wir gut damit zurecht. Aber sie beeinträchtigen offenbar langfristig doch das Wohlbefinden am Arbeitsplatz. Dies zeigen jetzt zwei Längsschnittstudien mit mehreren Erhebungszeitpunkten. Insgesamt knapp 1000 Angestellte aus verschiedenen Branchen wurden befragt. Die Ergebnisse zeigen: Wurden die Probanden im Lauf der Jahre immer häufiger unterbrochen, nahmen auch ihre psychosomatischen Beschwerden allmählich zu.

Ein Grund dafür könnte sein, dass unsere Strategien, mit Unterbrechungen umzugehen, im Lauf der Jahre nicht mehr ausreichen, wenn diese häufiger werden. Dies kann der Fall sein, wenn die Komplexität der Aufgaben zunimmt oder auch der Zeitdruck durch immer häufigere Unterbrechungen ansteigt. Die Forscher fanden auch: Bei Teilnehmern, die schon bei der ersten Erhebung über psychosomatische Beschwerden berichteten, sank das Wohlbefinden durch mehr Unterbrechungen noch schneller.

Die Psychologen vermuten, dass wir uns zunächst an ein gewisses Maß an Unterbrechungen gewöhnen. Nehmen diese jedoch zu und sind immer weniger vorhersagbar, tun wir uns im Lauf der Zeit schwerer damit. Der größte Nachteil von Unterbrechungen: Es schmälert das Wohlbefinden, wenn die gerade anstehende Aufgabe warten muss und dadurch Zeitdruck entsteht.

Zugleich gebe es auch positive Effekte, schreiben die Forscher. Gespräche mit Kollegen könnten die Stimmung aufhellen und wie eine Pause wirken. 

Anita C. Keller u. a.: Please wait until I am done! Longitudinal effects of work interruptions on employee well-being. Work & Stress, 2019. DOI: 10.1080/02678373.2019.1579266

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