„Bin ich hartherzig?“

Therapiestunde: Als Teenager gab eine Frau ihr Kind zur Adoption frei – und leidet noch heute stark darunter. Welche Rolle spielten ihre Eltern?

Noch 20 Jahre später schmerzt die Frau die Freigabe ihrer Tochter zur Adoption. © Michel Streich

„Bin ich hartherzig?“

Die Klientin hat als ­Teenager ihr Kind zur ­Adoption freigegeben – und leidet auch zwanzig Jahre später noch unter Schuldgefühlen. Was hat die Beziehung zu ihrer ­eigenen Mutter damit zu tun?

Es dauert nicht lange, und die junge Frau mit den lockigen dunklen Haaren und dem gepflegten Äußeren fängt an zu weinen. Ihr Anliegen ist selten, aber nicht ungewöhnlich: Vor vielen Jahren hat Dora ein heute über 20 Jahre altes Kind geboren und auf Druck der Eltern zur Adoption freigegeben, da sie selbst erst 15 Jahre alt war. Wie es so oft der Fall ist, hat sie das später, als sie älter war, bereut, und sie versuchte herauszufinden, wo das Mädchen hingekommen war. Doch das gelang nicht, denn in aller Regel dürfen die Behörden der leiblichen Mutter keine Informationen über die Adoptiveltern weitergeben.

Einige Zeit später geschah etwas, das sie nicht erwartet hatte: Da es Adoptivkindern unter bestimmten Voraussetzungen ermöglicht wird, Kontakt zu ihren leiblichen Eltern aufzunehmen, meldete sich die Tochter Sonja von sich aus bei ihrem leiblichen Vater. Der verweigerte sich jedoch dem Kontakt. Daraufhin nahm Sonja Kontakt zu ihrer leiblichen Mutter auf. Obwohl die Begegnung entspannt und ohne Vorwürfe seitens der Tochter verlief, kämpft Dora auch jetzt mit ihren Schuldgefühlen.

Soll sie ihren Ehemann einweihen?

Ihr Mann weiß von jenem Kind nichts. Würde die Ehe, die bislang kinderlos geblieben ist, solch ein Geheimnis verkraften? Oder soll Dora ihm gestehen, was damals geschehen war, nun da die Tochter sich gemeldet hat? Mit diesen Fragen wendet sie sich...

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