Die frühe Erfahrung „Ich zähle nicht!“

Eltern lieben ihre Kinder. Normalerweise. Häufig aber lieben sie ein Kind mehr als das andere. Und manchmal lieben sie eines ihrer Kinder gar nicht. Wer als schwarzes Schaf der Familie aufwächst, hat es schwer, ein Gefühl für den eigenen Wert zu entwickeln

Geben Sie einmal das Schlagwort „Familie“ bei Google ein und klicken Sie dann auf „Bilder“. Sie werden das sehen, was wir gemeinhin mit diesem Begriff verbinden: Glückliche Menschen. Eltern, Kinder, vielleicht auch noch die Großeltern dazu. Lachen, Sonnenschein, Gemeinschaft und Geborgenheit. So sollte es auch sein, sammeln die allermeisten von uns doch ihre ersten Beziehungserfahrungen in diesem Umfeld. Auch wenn natürlich nicht alle Tage die Sonne scheint, so ist doch die grundsätzliche Erfahrung, dass wir in der Familie Liebe, Verständnis und Förderung erleben.Oder ist das nur ein Slogan, ein auf Hochglanz poliertes Ideal, dem die wenigsten Familien gerecht werden?

In den letzten zwanzig Jahren habe ich mit sehr vielen Menschen über ihre Familien gesprochen. Einige berichteten voller Freude, dass sie glücklich und geliebt aufgewachsen sind, eingebettet in eine familiäre Gemeinschaft, die alles dafür getan hat, ihnen den Weg ins Leben so angenehm wie möglich zu machen. Andere meinen, dass sie auf eine „ganz normale“ Kindheit zurückblicken, ein Ausdruck, hinter dem sich nach meiner Erfahrung nicht selten bereits sehr „durchwachsene“ Erlebnisse verbergen. Und dann gibt es Berichte wie den von Claudia:

„So lange ich denken kann, hatte ich in meiner Familie nichts zu melden. Irgendwie lief alles an mir vorbei. Meine beiden Brüder wurden gefördert und geschätzt, während ich mir lediglich geduldet vorkam. Dass ich als Älteste mehr Pflichten als die beiden Kleinen hatte und sich die Eltern von…

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