Casting-Kids

In Castingshows werden Kinder zu kleinen Erwachsenen gemacht. Die Soziologin Astrid Ebner-Zarl hat untersucht, was das für die Kinder bedeutet.

Ein Junge sitzt mit Anzug und Hut in einer Casting-Show am Klavier und singt in ein Mikro
Es kann der Eindruck entstehen, dass Kinder als Mittel zum Zweck der Unterhaltung Erwachsener eingesetzt werden. © picture alliance/dpa//Jens Kalaene

Sie haben für Ihre Doktorarbeit eine Staffel von The Voice Kids, einem Ableger der Fernsehsendung The Voice of Germany, und drei Finalshows des österreichischen Gesangswettbewerbs Kiddy Contest analysiert. Warum haben Sie sich ausgerechnet Casting-Shows ausgesucht?

Die Medien beeinflussen uns, sind aber gleichzeitig auch vom Zeitgeist geprägt. Deshalb sind sie so interessant für Soziologinnen und Soziologen. Casting-Shows sind besonders spannend für die Erforschung gesellschaftlicher Trends, weil sich das Echte mit dem Inszenierten mischt. Es treten reale Personen auf, die bewusst auf ganz bestimmte Art dargestellt werden.

Vieles, was hier als echt ausgegeben wird, ist in Wahrheit inszeniert. Die Art und Weise, wie Kinder in diesen Shows präsentiert werden, schafft ein bestimmtes Bild von Kindheit, an dem sich die Zuschauer – auch die Kinder selbst – orientieren: Wozu müsste ich in meinem Alter schon fähig sein? Wie sollte ich meine Freizeit und meine Beziehungen gestalten? Was ist normal?

Was konnten Sie beobachten?

Als Erstes fällt die extreme Professionalität auf, mit der die Kinder auftreten – vor allem bei The Voice Kids. In Gesang, Bühnenpräsenz, Styling und Eloquenz kommen die Kandidatinnen und Kandidaten tatsächlich erwachsenen Musikstars gleich. Fast könnte man vergessen, dass es sich um Kinder handelt. Dabei geht es stark um Leistung. Den Grundstein für die Karriere kann man nicht früh genug legen, so der Tenor.

Ist das denn schlimm? Immerhin müssen Kinder auch in der Schule Leistung bringen und werden ständig bewertet.

In diesen Shows findet aber nur vorder­gründig ein Talentwettbewerb statt. Das Fortkommen oder Scheitern beruht weitgehend auf Willkür. Die Kriterien sind dabei weder für die Kinder…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 2/2022: Für sich einstehen
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