Versuch und Irrtum

Psychologie ist eine empirische Wissenschaft: ohne Experimente keine Erkenntnisse. Doch die Kritik an den Methoden mehrt sich. Wie verlässlich ist die Forschung wirklich?

Versuch und Irrtum

Psychologie ist eine empirische Wissenschaft: ohne Experimente keine Erkenntnisse. Doch die Kritik an den Methoden mehrt sich. Wie verlässlich ist die Forschung wirklich?

Draußen lärmt eine Motorsäge, drinnen sehen Studenten eine Dokumentation über das bescheidene Leben armer Juden. Anschließend müssen sie bewerten, wie interessant der Film war und wie sehr er andere berühren würde. Am Ende entschuldigt sich der Versuchsleiter für den Krach und lässt die Studenten noch notieren, ob dieser ihr Urteil beeinflusst hat. Die meisten sind davon überzeugt. Doch sie irren sich: Sahen Versuchspersonen den Film ohne Lärm, beurteilten sie ihn ganz genauso.

Die Filmvorführung mit Motorsäge war nur eines der Experimente, mit denen Richard Nisbett und Timothy Wilson vor fast 40 Jahren bewiesen: Es nützt oft wenig, Menschen zu fragen, was in ihnen vorgeht. Denn sie wissen es häufig nicht. Es braucht Experimente. Ohne sie lässt sich kaum feststellen, was Ursache welcher Wirkung ist. Ein Beispiel: Warum kann Alkohol aggressiv machen? Liegt das an seiner pharmakologischen Wirkung? Oder werden manche Angetrunkene ausfällig, weil sie ihre Rüpeleien auf den Schnaps schieben können? Um das zu untersuchen, bat Laurent Bègue von der Universität Grenoble 117 Männer zu einem angeblichen Geschmackstest.

Jeder bekam einen Fruchtcocktail serviert, der angeblich viel, wenig oder keinen Alkohol enthielt. Allerdings stimmten die Angaben, die die Teilnehmer erhielten, meist nicht. Manche bekamen beispielsweise keinen Alkohol, glaubten es aber, und umgekehrt. Im Verlauf des Experiments wurde jeder...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 2/2017: Schon in Ordnung
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