Langsam schauen

Ein Museumsbesuch ist bisweilen ganz schön anstrengend, vor allem wenn man versucht, möglichst viel hineinzupacken. Durchschnittlich 20 Sekunden, so zeigt die Forschung, verharren Besucher vor einem Objekt. Doch man kann Kunst auch auf andere Weise genießen – und dabei eine Menge über sich selbst erfahren

Langsam schauen

Ein Museumsbesuch ist bisweilen ganz schön anstrengend, vor allem wenn man versucht, möglichst viel hineinzupacken. Durchschnittlich 20 Sekunden, so zeigt die Forschung, verharren Besucher vor einem Objekt. Doch man kann Kunst auch auf andere Weise genießen – und dabei eine Menge über sich selbst erfahren

Einmal im Jahr gehen Kunstfreunde in aller Welt in Museen und Galerien und schauen sich Werke bewusst lange an. Der Slow Art Day, vom amerikanischen Manager und Consultant Phil Terry ins Leben gerufen und von einem Team von Freiwilligen organisiert, findet 2017 am 8. April statt. Zahlreiche Museen nehmen daran teil, und das Prozedere verläuft überall ähnlich: Besucher verbringen ungefähr zehn Minuten vor einem einzelnen Kunstwerk und vertiefen sich ganz darin. Erst dann gehen sie zum nächsten weiter. Maximal fünf Gemälde oder andere Werke, die vorab von einem lokalen Gastgeber ausgewählt werden, umfasst der Besuch in der Regel. An manchen Orten kann man sich danach mit anderen Kunstfreunden bei einem Kaffee oder Mittagessen über seine Erfahrungen austauschen.

Für viele Teilnehmer dürfte dies ein äußerst ungewohntes Erlebnis sein. Ein typischer Ausflug ins Museum, so zeigen Untersuchungen, sieht anders aus. Eine Studie im Metropolitan Museum of Art in New York ermittelte, dass Besucher im Durchschnitt nur 27 Sekunden vor einem Bild ausharren. Nach Erkenntnissen des Louvre schauen sich Touristen die Mona Lisa im Schnitt 15 Sekunden an. Insgesamt, so das Fazit des Psychologen David Brieber und seiner Kollegen von der Universität Wien, liegt die durchschnittliche Betrachtungsdauer eines Kunstwerkes bei rund 20 Sekunden. Das ist nicht viel mehr als vier Atemzüge. Und es beinhaltet oft noch das Lesen der Informationstafel, wie der Kunstkritiker und -historiker James Elkins vom School of the Art Institute of Chicago in der Huffington Post bemerkt: „Eine Studie fand heraus, dass sich der durchschnittliche Besucher einem Gemälde annähert, es weniger als zwei Sekunden betrachtet, weitere 10 Sekunden den Wandtext liest, nochmal flüchtig auf das Bild schaut, um eine Aussage aus dem Text nachzuvollziehen, und dann weitergeht.“

Das lässt sich auch anders gestalten, meinen nicht nur die Organisatoren des Slow Art Day. Arden Reed, Professor am Pomona College in Kalifornien, ist ebenfalls ein Langsamkeitsadvokat. In einem aktuellen Buch geht er der Kunst des langsamen Schauens auf den Grund. Slow Art, erklärte er...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 4/2017: Lebenskunst
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