„Die Leute wissen nicht, wie unwissend sie sind“

Wir glauben, Bescheid zu wissen: darüber, wie eine Toilette funktioniert, oder über politische Vorgänge. Doch häufig erliegen wir dabei einer Wissensillusion, warnt der Psychologieprofessor Steven Sloman. Wir verwechseln unser eigenes Wissen mit dem anderer. Und das hat Konsequenzen

„Die Leute wissen nicht, wie unwissend sie sind“

Wir glauben, Bescheid zu wissen: darüber, wie eine Toilette funktioniert, oder über politische Vorgänge. Doch häufig erliegen wir dabei einer Wissensillusion, warnt der Psychologieprofessor Steven Sloman. Wir verwechseln unser eigenes Wissen mit dem anderer. Und das hat Konsequenzen

Herr Professor Sloman, wenn ich Sie fragen würde, wie eine Toilettenspülung funktioniert – könnten Sie mir das erklären?

Ja, das könnte ich.

Studien zeigen, dass die meisten Menschen dazu nicht in der Lage sind. Und das gilt nicht nur für Toiletten. Sie und Ihr Kollege Philip Fernbach schreiben in Ihrem Buch The Knowledge Illusion, eine Mehrheit wisse nicht, wie eine Kaffeemaschine funktioniert oder Klebstoff Papier zusammenhält.

Es ist in der Tat überraschend, wie unwissend Leute sind. 25 Prozent der Amerikaner wissen nicht, dass sich die Erde um die Sonne dreht; nur 43 Prozent können einen Richter des Supreme Court benennen. Daten wie diese zeigen, wie wenig allgemeines Wissen wir haben, nicht nur in den USA, auch in Deutschland. Aber der Punkt ist nicht, dass so viele unwissend sind, sondern dass sie nicht wissen, wie unwissend sie sind. Sie überschätzen ihr Verständnis, wie Dinge funktionieren. Leute denken, sie hätten eine Ahnung, wie eine Toilette funktioniert, aber wenn man sie bittet, es zu erklären, haben sie wenig zu sagen.

Wie messen Wissenschaftler die Kluft zwischen dem, was Leute wissen und was sie zu wissen glauben?

Die Methode wurde von Frank Keil, einem Psychologen von der Yale-Universität, entwickelt. Er bat Versuchspersonen, ihre Kenntnisse auf einer Sieben-Punkteskala einzuschätzen. Er fragte...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 8/2017: Ich lass mir Zeit!
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