Die Lust an der Empörung

Jeder kann sich im Internet entrüsten, kann skandalisieren und diffamieren. Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen über Menschen in der "mentalen Pubertät" - und die Ethik der Kommunikation.

Die Allzweckwaffe der täglichen Skandalisierung: das Smartphone © Getty Images

„Wir tragen die Allzweckwaffe der Skandalisierung stets am Körper“

Per Smartphone kann jeder kundtun, wer und was ihm missfällt. Dabei verhalten sich viele, als seien sie in der „mentalen Pubertät“, wie der Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen kritisiert. Er fürchtet um die Mediendemokratie und formuliert Regeln für einen verantwortlichen Umgang mit der digitalen Weltbühne

Herr Professor Pörksen, in Ihrem neuen Buch Die große Gereiztheit geht es um das Internet als „digitalen Pranger“. Was hat Sie bewogen, dieses Thema jetzt aufzugreifen?

Skandale und Berichte darüber gab es schon immer, sie haben ihre wichtige Funktion. Aber ich sehe heute eine neue Evolutions- und Eskalationsstufe der Skandalisierung, eine publikumsgetriebene Logik der Enthüllung. Heute besitzt jeder die Instrumente und die Möglichkeit, öffentlich zu machen und anzuprangern, was ihm missfällt, er kann Themen setzen, Normverletzungen skandalisieren – ohne die Vorfilterung durch den klassischen Journalismus. Auch deshalb ist die Netzöffentlichkeit so ungeheuer heterogen. Wir erleben die Gleichzeitigkeit des Verschiedenen im digitalen Raum: Banales, Bestialisches, Relevantes, Schreckliches und Schönes – alles ist gleichzeitig sichtbar.

Das heißt, Menschen nutzen das Web, um andere anzuprangern und sich öffentlich aufzuregen?

Ja. Es trifft die grundsätzliche Entrüstungsbereitschaft des Menschen auf ein neues Medium, verbindet sich mit neuen medialen Möglichkeiten auf der Weltbühne des Netzes. Schon mit dem Smartphone tragen...

Den kompletten Artikel können Sie bei uns kaufen oder freischalten.

Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 4/2018: Die Kunst der Zuversicht
file_download print

News

Beziehung
Bei der Partnerwahl sind wir berechenbarer, als wir glauben – mit einer Ausnahme
Leben
Menschen denken sehr unterschiedlich über das Träumen. Doch kaum jemand steht Träumen gleichgültig gegenüber.
Gesundheit
Ob die Integration von Geflüchteten gelingt, hängt auch vom seelischen Zustand der Betreffenden ab.