Soll ich eingreifen oder nicht?

Warum tun Menschen nichts, wenn anderer belästigt wird? Psychologin Anna Baumert über Zivilcourage und die besten Strategien in bedrohlichen Situationen.

Stop, bis hierhin und nicht weiter! Zivilcourage kann man trainieren. © Getty

„Wenn ich nicht eingreife – wer dann?“

Ich bin klein, nur eine Frau, der da drüben steht viel näher dran: Es gibt viele Ausreden, warum Menschen nichts tun, wenn ein anderer belästigt wird. Psychologin Anna Baumert über Zivilcourage und die besten Strategien in bedrohlichen Situationen

Frau Dr. Baumert, gab es eine Situation, in der Sie couragiert eingeschritten sind?

Ja, als ich am Bahnhof mitbekam, wie ein Mann zwei Mädchen mit rassistischen Bemerkungen beleidigte. Ich war aufgebracht und habe recht laut reagiert. Dabei vergaß ich jedoch, Umstehende mit einzubeziehen, ihnen zu erklären, was ich eben gehört hatte und warum mich das empört. Aus heutiger Sicht weiß ich, dass ich da einiges falsch gemacht habe, abgesehen von der richtigen Entscheidung, mich einzumischen.

Wie sollte man sich in so einem Fall besser verhalten?

Es ist oft klüger, eine direkte Konfrontation mit dem Täter zu vermeiden und sich stattdessen an das oder die Opfer zu wenden, in diesem Fall an die beiden Mädchen. Ich hätte sie etwas fragen können, ganz banal, ob sie wissen, wann der nächste Zug fährt oder wo der Kiosk ist – also ein Gespräch beginnen, das mit der Attacke nichts zu tun hat. Eine weitere Möglichkeit wäre gewesen, die Umstehenden anzusprechen, kurz zu erklären, was vorgefallen ist. Viele Menschen sind in solchen Situationen zu gehemmt, um einzugreifen, weil sie unsicher sind, nicht wissen, wie man jetzt am besten reagiert. Wenn man andere gezielt einbezieht und um Hilfe und Unterstützung bittet, kann die Hemmschwelle überwunden werden.

Es scheint auch ein wichtiger Aspekt von Untätigkeit zu sein, dass nicht jeder alles sofort mitbekommt.

Genau. Manch eskalierende Situation wird zunächst nur unvollständig wahrgenommen, besonders von denen, die erst später hinzukommen. Da ist vieles unklar, und es tun sich Fragen auf: Was...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 8/2018: Alles zu meiner Zeit
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