Wenn Frauen jagen

In Deutschland steigt das Interesse an der Jagd. Warum zieht es gerade auch immer mehr Frauen auf den Hochsitz?

Die Anzahl der Jagdscheininhaberinnen war nie zuvor so groß wie heute. © dpa Picture Alliance

Wenn Frauen jagen

In Deutschland steigt das Interesse an der Jagd. Gerade Frauen begeistern sich zunehmend dafür, die Anzahl der Jagdschein­inhaberinnen ist so groß wie nie zuvor. Warum zieht es immer mehr Frauen auf den Hochsitz?

Pauline de Bok hat gerade ein Wildschwein geschossen. Eine Bache, leider trächtig, mit fünf Föten im Bauch. Nun fühlt sich die Jägerin nicht gut: Ungeborenes Leben zu töten, das ist auch unter Jägern ein Tabu. Was soll sie tun mit den Föten? Entsorgen? Oder doch essen, wie den Rest des Schweins? Was zeugt von mehr Respekt? Pauline de Bok wirft die Föten schließlich weg, zurück bleibt das Gefühl, dem Tier Unrecht getan zu haben. Immer wieder erzählt die Jägerin Pauline de Bok in ihrem Buch Beute. Mein Jahr auf der Jagd von ambivalenten Jagderfahrungen in ihrem Waldgebiet in Mecklenburg-Vorpommern.

Sie schildert, wie sie stundenlang tiefenentspannt auf Hochsitzen wartet, die Waldtiere beobachtet und den Wechsel der Jahreszeiten genießt. Aber auch: wie sie vor Jagdfieber zittert, einen jungen Damhirsch erlegt und seinen toten Körper ausnimmt. Ihr geht es nicht um Romantik, sondern um existenzielle Fragen rund um die Jagd. Ist es okay, Tiere zu lieben und sie doch zu töten? Ist es moralisch vertretbar, ein erlegtes Tier freudig auszunehmen, in Filets zu zerteilen und genüsslich zu verzehren? Welche Rolle spielen wir Menschen überhaupt in der Natur?

Vielen Menschen sind de Boks Gedanken vermutlich fremd. Denn selbst wenn wir Fleisch essen, ist das Töten doch längst aus unserem Alltag verbannt. Wir kaufen unsere Salami gut verpackt im Supermarkt und haben nichts mit dem Jagen, Töten oder Schlachten zu tun. Wir essen ein Steak und...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 10/2018: Geschwister
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