Was wir dem Planeten antun

Der Klimawandel ist ein Trauma, sagt der Umweltpsychologe Zhiwa Woodbury im Interview. Dabei sind wir Täter und Opfer zugleich.

Ein Luftbild zeigt die San Francislo Bay, in der Salz aus dem Meer gewonnen wird, was man farblich auf dem Bild erkennen kann.
Der Mensch ist auf die Natur angewiesen, verändert sie und schadet ihr. © Daily Overview

Herr Woodbury, Sie lehnen den Begriff „Klimawandel“ ab. Was ist daran denn schlecht?

Er führt in die Irre. Genau wie die Formulierung „globale Erwärmung“ spiegelt „Klimawandel“ nicht den Ernst des Problems wider. Denn alles wandelt sich. Wir sind es gewohnt, uns zu wandeln. Menschen passen sich an Veränderungen an. Veränderung ist keine große Sache. Was gerade passiert hingegen schon.

Ist das nicht gerade das Gute am Begriff Klimawandel – er transportiert die Botschaft: Wir müssen nicht resignieren, sondern können noch etwas tun?

Es impliziert ja nur, dass sich Menschen anpassen können. Sie wandeln sich, während das Klima sich wandelt. Aber das ist eine passive Reaktion. Was es braucht, ist eine aktive Reaktion. Neulich schrieb der New York Times-Kolumnist Bret Stephens, Klimawandel bedeute Wandel, nicht Untergang. Das zeigt, wie einfach es ist, das Thema mit diesem unbedenklichen Label aus unseren Köpfen zu streichen.

Warum sträuben wir uns denn davor, uns mit dem Thema zu befassen?

Wir fühlen uns angesichts der existenziellen Krise überfordert und machtlos. Unser Gehirnareal, das Gefühle verarbeitet, sorgt entweder dafür, dass wir vor Angst erstarren und nichts tun, oder wir werden wütend, schlagen um uns und beschuldigen uns gegenseitig, wie wir es auf der politischen Bühne sehen. Oder wir fliehen.

Wie können Menschen denn vor dem Klimawandel fliehen?

Mit Ablenkung. Wir beschäftigen unseren Geist auf andere Weise. Mit Smartphones zum Beispiel. Oder mit Schmerzmitteln. In den USA grassiert eine regel­rechte Opiat-Endemie. Und der Schmerz, dem die Men­schen zu entkommen versuchen, ist...

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