Nachhaltig leben

Zu einem ressourcenschonenden Verhalten fehlt vielen die Motivation. Das kann man ändern, sagt Nachhaltigkeitsforscher Thomas Bruhn.

Eine Frau steht sorgenvoll vor einem Globus
Wer Umwelt und Klima schützen will, muss nachhaltig leben. Und das heißt, sich selbst zu ändern. © Helena Pallarés

Herr Dr. Bruhn, Sie sagen, wir brauchen ein anderes Bewusstsein, um unseren Lebensstil zu verändern. Warum?

Es gibt sehr viele Ansätze, Menschen durch geschickte Marketingstrategien zu überlisten, beispielsweise faire Produkte zu kaufen, den Stromanbieter zu wechseln, weniger Plastikmüll zu produzieren. Richtig erfolgreich sind diese Ansätze aber nicht, weil sie versuchen, uns in ein ökologisches Verhalten hineinzumanipulieren. Die innere Motivation fehlt. Ich glaube, dass wir uns viel stärker mit unserer geistigen Haltung beschäftigen und unsere Beziehung zu uns selbst, zu anderen und zur Erde hinterfragen sollten. Darin liegt eine große Kraft, die wir bislang noch viel zu wenig nutzen.

Zahlreiche Initiativen setzen aber doch genau an diesem Punkt an und rufen dazu auf, im eigenen Stadtteil Müll wegzuräumen und Gemüsebeete anzulegen, also sich verantwortlicher zu fühlen.

Das stimmt – aber vielfach finden die Akteure noch nicht zusammen, und das verhindert die Entwicklung. Wir haben in Deutschland eine große Nachhaltigkeitscommunity, die sich stark auf technische Lösungen wie beispielsweise die Entwicklung erneuerbarer Technologien konzentriert und auf politische Lösungen wie Gesetze zum Emissionsschutz. Und eine andere wachsende Gemeinschaft beschäftigt sich mit der Kultivierung des Geistes: Achtsamkeit und andere geistige Praktiken boomen, immer mehr Menschen meditieren, und an vielen Stellen wird über die gesellschaftliche Bedeutung von Empathie diskutiert. Meist stehen Gesundheit und Wohlbefinden dabei im Vordergrund, aber auch die Suche nach einem ressourcenschonenden Lebensstil spielt eine wichtige Rolle.

Beide Ansätze ergänzen sich wunderbar und könnten sich befruchten – es sind aber bisher zwei weitgehend getrennte Sphären. Wer einen Achtsamkeitskurs besucht, weiß deshalb noch lange nichts über praktische Möglichkeiten, weniger CO2 zu verbrauchen. Und wer in der Nachhaltigkeitscommunity von…

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 3/2019: Die Kunst des Aufgebens
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