Versunken im Spiel

Spielen ist ein Trend unserer Zeit. Sogar die guten alten Brettspiele sind wieder gefragt. Denn: Spielen entführt uns.

Die Illustration zeigt eine Figur mit einer dampfenden Tasse auf dem Kopf, darum Schlösser und ein Schlüssel
Spielen ist Ausdruck unserer intrinsischen Motivation – auch jenseits der Kindheit. © Lea Dohle

Seit ich Vater geworden bin, passiert Wundersames. Klar, werden Sie sagen, das ist normal. Doch dass ich mit meiner notorischen Abneigung gegen Gesellschafts- und Videospiele plötzlich wieder Lust am scheinbar sinnlosen Spielen bekomme, so ganz ohne Ziel und ohne Gedanken an Sieg oder Niederlage, überrascht mich doch. Sie wissen schon: mit den ersten Legos hantieren, sie mehr oder minder sinnvoll zu Gebilden zusammenfrickeln, einfach so im Sand buddeln und so weiter. Was eines beweist: Die Lust am Spiel mag im Lauf des Lebens zwar verschüttgehen. Aber sie stirbt nicht und kann jederzeit reaktiviert werden.

Ja, Erwachsene spielen. Viele entdecken, so wie ich, ihren Spieltrieb irgendwann wieder, nachdem er mit dem Eintritt ins Berufsleben dem Effizienzstreben zum Opfer gefallen war. Aber eben oft nicht auf Dauer, denn Spielen gehört zu unserer Natur. Es ist die Urkraft unserer intrinsischen, von innen kommenden Motivation, auch jenseits der Kindheit.

Vielleicht ist das ein Grund, weshalb diese klassischen Spiele, bei denen gewürfelt und Figuren verschoben werden, ungeachtet der ebenfalls boomenden Videospiele beliebter sind denn je, viele Jahrtausende nach Erfindung der ersten Brettspiele. Erst kürzlich hat der amerikanische Archäologe Walter Crist in Aserbaidschan ein 4000 Jahre altes Muster in einem Steinboden entdeckt, das als „58 Löcher“ bezeichnet wird. Crist vermutet in dem Relikt die Überbleibsel eines Spiels, denn er entdeckte in dem Muster deutliche Ähnlichkeiten mit altägyptischen Brettspielen. Spielen ist eines der ältesten Kulturgüter des Menschen.

Ein analoges Plus in digitalen Zeiten

Selbst die Digitalisierung konnte dem klassischen Spiel am Tisch nichts anhaben. Im Gegenteil: „Seit 2015 verzeichnet die Branche der Gesellschaftsspiele ein Plus von 50 Prozent“, sagt Hermann Hutter, Vorsitzender des Verbandes Spieleverlage.…

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