Im Fokus: Gewalt in der Geschichte

Gewalt ist so alt wie die Menschheit. Hat sie sich über die Jahrtausende verändert? Ein Historiker über Krieg und heutige Konflikte.

Das Bild zeigt Dschingis Khan auf dem Pferd in einer Schlacht, der gerade einem Kriegsgegner den Kopf abhaut
Auch in vormodernen Zeiten gab es bereits großflächige Kriege wie zum Beispiel die Eroberungen von Dschingis Khan. © akg-images/Giuseppe Rava

Herr Hudson, Sie sind Archäologe. Wieso beschäftigen Sie sich mit Gewalt?

Die Psychologie und Soziologie suchen eher nach allgemeingültigen Prozessen, die auf alle Menschen anwendbar sind. Aber Archäologie und Geschichte eignen sich besser, um die einzelnen Umstände von Gewalt zu untersuchen.

Weshalb?

Ich meine damit, dass die Psychologie die Motivation von Menschen, wie Ärger, Rachsucht und so weiter, erklären kann. Archäologie und Geschichte liefern uns konkrete Beispiele, was wirklich in der Vergangenheit passiert ist.

Die Medien sind voller Berichte über Gewalt, es herrscht Krieg in der Ukraine. Der Psychologe Steven Pinker behauptet trotzdem, die Menschen seien im Laufe der Zeiten immer friedlicher geworden. Hat er recht?

Nun ja, die Medien nehmen Geschichten über Gewalttaten gerne auf, weil das die Verkaufszahlen der Zeitungen steigen lässt. Im Englischen gibt es dafür den Ausdruck If it bleeds, it leads. Aber in keinem Fall können solche Quellen ein objektives Bild der Gewalt auf der Welt heute vermitteln. Das ist eher eine psychologische Frage der Attraktion von Massenmedien. Terroristische Gruppen wie zum Beispiel der sogenannte Islamische Staat verstehen diese Anziehungskraft.

Die Theorie von Pinker umfasst ein breiteres Feld. Sie enthält eine reizvolle Hypothese, wird aber von archäologischen Nachweisen nicht gestützt. Wenn man bedenkt, dass das 20. Jahrhundert eine äußerst gewalttätige Geschichte hatte, müsste Pinker zeigen, dass die Vorgeschichte noch sehr viel…

Den kompletten Artikel können Sie bei uns kaufen oder freischalten.

Artikel zum Thema
Gesellschaft
Werden wir in Krisenzeiten egoistischer, gemeiner und aggressiver? Historiker Rutger Bregman im Gespräch.
Leben
Sein Buch vom Helfersyndrom machte ihn berühmt. Der Therapeut Wolfgang Schmidbauer ist ein unermüdlicher Autor. Und ein Menschenfreund. Ein Porträt.
Gesellschaft
​Wie Psychologen, Psychiater und Psychoanalytiker ihr Wissen und ihre Fähigkeiten einsetzen, um Gewalt und Krieg zu verhindern.
Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 6/2022: Die Zeit, als alles neu war
Psychologie Heute Compact 68: Entdecke dich selbst
print

Die Redaktion empfiehlt

Beziehung
Zweifel an der eigenen Beziehung sind eine große Belastung – für den Partner und insbesondere den Betroffenen.
Leben
Die Persönlichkeitsstörung ist in aller Munde – überall lauern scheinbar selbstverliebte Egomanen. ► Doch wie tickt ein Narzisst wirklich?
Beruf
Viele Menschen fühlen sich erschöpft: zu viele Pflichten, zu viel Druck. Über den Zustand kurz vorm Burn-out – und wie wir uns daraus befreien.