Psychotherapie wirkt! Wirklich?

Wer eine Psychotherapie beginnt, tut das meist mit großen Hoffnungen. Und wird darin auch von den Behandlern bestärkt. Doch neuere Therapiestudien dämpfen die Erwartungen: Psychotherapie ist wirksam – aber längst nicht so gut wie gedacht

Psychotherapie wirkt! Wirklich?

Wer eine Psychotherapie beginnt, tut das meist mit großen Hoffnungen. Und wird darin auch von den Behandlern bestärkt. Doch neuere Therapiestudien dämpfen die Erwartungen: Psychotherapie ist wirksam – aber längst nicht so gut wie gedacht

Wer zu einem Psychotherapeuten geht, darf mit baldiger Besserung seiner Leiden rechnen – das versprechen jedenfalls die Vertreter der Zunft. „Psychotherapie ist wirksam“, verkündet zum Beispiel die Bundespsychotherapeutenkammer und ergänzt: „Je länger, umso besser.“ Auch ein Beitrag im Branchenblatt Der Nervenarzt zeugt nicht von falscher Bescheidenheit. „Die Psychotherapie zählt zu den wirksamsten Verfahren in der Medizin“, versichert das Autorenteam um Professor Ulrich Schnyder von der Universität Zürich. Man verfüge heute über wissenschaftlich belegte Therapiewirkungen „für fast alle psychiatrischen Störungsbilder“.

Leider sind solche selbstbewussten Statements, die gerne mit Forderungen nach mehr Geld für die Branche verbunden werden, viel zu optimistisch, wie Emily Holmes von der Universität Cambridge und Michelle Craske von der University of California in Los Angeles im Wissenschaftsmagazin Nature konstatieren. „Für einige Krankheiten, etwa die bipolare Störung (manische und depressive Phasen wechseln sich ab, d. Red.), sind psychologische Behandlungen nicht effektiv oder stecken in den Kinderschuhen“, bedauern die beiden angesehenen Therapieforscherinnen. „Bei Ängsten und Zwängen beispielsweise hilft die Konfrontationstherapie fast der Hälfte der Leute nicht, und eine beachtliche Minderheit erlebt einen Rückfall.“ Auch bei Suchterkrankungen sieht es nicht viel besser aus. Nur gut die Hälfte der behandelten Alkoholiker ist anderthalb Jahre nach einem mehrmonatigen Aufenthalt in einer deutschen Suchtklinik noch trocken.

Geradezu verzweifelt ist die Lage beim Kampf gegen hohes Übergewicht – einen der großen Killer in reichen und zunehmend auch in armen Ländern. Da sich den gefährlichen Pfunden praktisch nur mit ­einschneidenden Verhaltensänderungen – mehr Sport, gesünder essen – beikommen lässt, sind die...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 7/2016: Mut zur Unsicherheit
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