Ausgebrannt

Wenn Körper und Seele signalisieren „So geht es nicht mehr weiter“, werten viele Betroffene das als individuelles Versagen. Experten sehen das anders: Burnoutsymptome sind für sie ein Zeichen von Kompetenz. Dieser Perspektivenwechsel hat spannende Auswirkungen

Ausgebrannt

Wenn Körper und Seele signalisieren „So geht es nicht mehr weiter“, werten viele Betroffene das als individuelles Versagen. Experten sehen das anders: Burnoutsymptome sind für sie ein Zeichen von Kompetenz. Dieser Perspektivenwechsel hat spannende Auswirkungen

An manchen Tagen konnte die Pflegedienstleiterin eines großen Krankenhauses nur noch Halbsätze herausbringen. Auf unerklärliche Weise war ihr Wortschatz drastisch zusammengeschrumpft. Obwohl sie sich schon morgens beim Aufwachen vollkommen zerschlagen fühlte und ihre Beine sich kaum noch bewegen wollten, arbeitete sie weiter, telefonierte, diktierte, rechnete, schrieb Berichte, rannte im Stechschritt von Station zu Station. Je schwächer sie sich fühlte, desto unerbittlicher schwang sie die innere Peitsche: „Stell dich nicht so an. Reiß dich verdammt nochmal zusammen!“ Doch dann brach sie mitten in einem Gespräch mit ihren Mitarbeitern in Tränen aus und konnte nicht mehr aufhören zu weinen. Die Hausärztin diagnostizierte ein Burnoutsyndrom, schrieb sie krank und schickte sie in psychotherapeutische Behandlung. Erst im Verlauf der Therapie wurde Bianca Rösler klar, dass die Erschöpfung sich schon über Jahre aufgebaut und sie alle Warnsignale ignoriert hatte.

Burnout, das klingt nach Schwäche, Versagen, Energiemangel, Kontrollverlust und Kapitulation. Deshalb blickt Gunther Schmidt oft in verwunderte Gesichter, wenn er seine Vorträge mit dem Satz beginnt: „Burnout ist eine Kompetenz.“ Der ärztliche Leiter der privaten sysTelios-Klinik in...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 1/2016: Ausgebrannt
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