Die Verantwortung trägt: der Patient

„Mündige Patienten“ sollen wir sein. Auch um Klagen vorzubeugen, informieren Ärzte und Psychotherapeuten ihre Klienten umfassend über alle denkbaren Risiken der Therapie und nötigen ihnen Entscheidungen ab. Die Folge: Statt sich dem Helfer anvertrauen zu dürfen, werden die Patienten heillos überfordert

Die Verantwortung trägt: der Patient

„Mündige Patienten“ sollen wir sein. Auch um Klagen vorzubeugen, informieren Ärzte und Psychotherapeuten ihre Klienten umfassend über alle denkbaren Risiken der Therapie und nötigen ihnen Entscheidungen ab. Die Folge: Statt sich dem Helfer anvertrauen zu dürfen, werden die Patienten heillos überfordert

Schadenersatzprozesse und Medienkritik setzen seit geraumer Zeit Ärzte, Pharmaindustrie und Kliniken unter Druck. Die Ärztin verschreibt ein Medikament, die Patientin liest den Beipackzettel und nimmt es nicht: Sie hat Angst vor den Nebenwirkungen. Exakte Zahlen sind schwer zu gewinnen, aber Kenner schätzen, dass ungefähr die Hälfte der verschriebenen Medikamente in den Müll wandert.

Aber darf ein Arzt oder Apotheker empfehlen, den Beipackzettel des Medikaments nicht zu lesen, um nicht den negativen Suggestionen der dort pflichtgemäß verzeichneten Nebenwirkungen zu erliegen? Vermutlich nur unter der Hand.

Wie lästig defensive Beratung werden kann, wissen inzwischen auch die meisten Bankkunden. Ich möchte einen Geldbetrag anlegen, weiß genau, was ich will, und muss doch viel Zeit mit den Formalien vergeuden. Der Berater meiner Sparkasse will dokumentieren, dass er mich über alle Risiken aufgeklärt hat, er ist ein pflichtbewusster Mann.

Der freundliche Augenarzt hat mir gesagt, dass die von ihm vorgeschlagene Staroperation eine winzige Komplikationsrate hat. Ich sehe ihr beruhigt entgegen, bis mir seine Sprechstundenhilfe ein Formblatt aushändigt, dessen Empfang ich quittieren soll. Darin steht, dass ich mich über die...

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