Bruder Innerlich

In ihrer Kolumne beschäftigt sich Mariana Leky dieses Mal mit Meditation – und ihrer ganz eigenen Art, an nichts zu denken.

Sich in sich selbst verlaufen – das gelingt Mariana Leky beim Meditieren leider besonders gut. © Elke Ehninger

Bruder Innerlich

Als ich ein Kind war, sind wir oft mit dem Auto in Urlaub gefahren. Wenn mein Bruder und ich auf dem Rücksitz zu quengeln anfingen und meine Eltern die ewigen Benjamin-Blümchen-Kassetten nicht mehr hören konnten, sagte mein Vater oft: „Macht einfach die Augen zu und unterhaltet euch ein bisschen mit Bruder Innerlich.“ Wir hatten keine Ahnung, wer Bruder Innerlich war, aber wir hatten sehr guten Kontakt zu ihm. Das klingt paradox. Ein Paradox, hat der Philosoph Alan Watts geschrieben, „ist eine Wahrheit, die sich auf den Kopf stellt, um auf sich aufmerksam zu machen“.

Auch jetzt ist Sommer, ein stickiger Großstadtsommer, die Unterarme kleben an der Schreibtischplatte, als sei sie mit Fliegenkleber ausgelegt. Deshalb verlege ich den Arbeitsplatz in Achims Café unten im Haus, denn Achim hat immerhin einen Ventilator.

Seinen Kunden gegenüber zeichnet sich Achim auch dadurch aus, dass er sehr mittelmäßige Witze macht. Wenn man seinen Kaffee bezahlen will, sagt Achim: „Zweihundert Euro, bitte“, und wenn man ein belegtes Brötchen bestellt, tut er immer so, als würde er es runterfallen lassen. Achim sitzt dem Irrglauben auf, dass Witze durch Wiederholung besser werden. Alle lachen trotzdem, weil es schön ist, dass Achim sich jedes Mal so über seine Scherze freut.

Dicke Luft

Heute allerdings ist die Luft im Café zum Schneiden, und das nicht nur, weil der Ventilator sich seltsam benimmt, er knarrt und dreht sich nur sehr schlapp. Die Luft ist dick, weil Achim und seine Frau sich ganz offenbar streiten. Achim macht zum ersten Mal keinerlei...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 9/2018: Die Kraft des Verzeihens
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