Die Erzählung unseres Lebens

Geschichten sind mehr als nur unterhaltsam: Indem wir unser Leben erzählen, geben wir ihm Form und Sinn – und fühlen uns bei uns selbst zu Hause.

Wir lieben es aus gutem Grund, Geschichten zu hören und selbst zu erzählen. © Marco Wagner

Die Erzählung unseres Lebens

Geschichten zu erzählen und Geschichten zu hören macht Spaß. Doch Geschichten sind mehr als nur unterhaltsam, wie man auch in Therapie und Forschung zunehmend entdeckt: Indem wir unser Leben erzählen, geben wir ihm Form und Sinn – und fühlen uns bei uns selbst zu Hause

Es war einmal im fernen Orient ein mächtiger König namens Schahriyar, der wurde von seiner Frau so schamlos betrogen, dass er fortan keiner Frau mehr vertrauen wollte. Also fasste er den Plan, jede Nacht eine neue Frau zu heiraten und sie am Morgen nach der Hochzeitsnacht hinrichten zu lassen.

Nachdem im Volk fast alle jungen Frauen Opfer seiner grausamen Rache geworden waren, meldete sich Scheherazade, die Tochter seines Wesirs, für die Hochzeit mit dem vielfachen Mörder. Sie wünschte sich aber, dass ihre kleine Schwester mit zu Schahriyar ins Brautgemach kommen dürfe. In der Nacht verlangte diese Schwester, von Scheherazade eine Geschichte zu hören. Was sie da erzählte, faszinierte den Herrscher, und als Scheherazade gerade mitten darin war, hob sich das Morgenrot. Der König wollte aber unbedingt die Fortsetzung der Geschichte hören, und so verschob er ihre Hinrichtung auf die zweite Nacht.

Als diese gekommen war, erzählte sie ihm eine weitere Geschichte von tollen Abenteuern. Die war noch aufregender, und erneut brach gerade an der spannendsten Stelle der Morgen an. Wieder verschonte Schahriyar die junge Frau, um das Ende der Geschichte zu hören. So ging es Nacht für Nacht....

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 1/2019: Stille
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