Engel sei dank!

Manchmal versagen alle Behandlungskonzepte, und auch Therapeuten sind mit ihrem Latein am Ende: Was hilft, wenn nichts hilft?

Die Illustration zeigt eine Frau die depressiv unter einer schwarzen Wolke steht auf der ein Engel sitzt, der die Frau tröstend anlächelt
Was hilft, wenn nichts hilft? Die Lösung steht manchmal jenseits der Fachbücher © Michel Streich

Als junger Psychologe arbeitete ich in einer psychiatrischen Klinik. Und ich gebe es lieber gleich zu: Da war diese eine Patientin, nennen wir sie Frau Grau, bei der ich, gemessen an meinem Anspruch, völlig versagt hatte. Eine Frau mit schwersten Depressionen, und ich junger Kerl hatte mir vorgenommen, sie mit meinen therapeutischen Werk­zeugen irgendwie zu heilen.

Sie galt seit langem als unheilbar und litt bereits seit zwei Jahrzehnten unter stärksten Symptomen. Losgegangen war alles, als sie ihre wenige Monate alte Tochter völlig unerwartet über Nacht verlor. Der plötzliche Kindstod hatte zugeschlagen und ihr das Wertvollste genommen, was sie besaß. Massive Schuldgefühle ergriffen die Frau und ließen sie nicht mehr los, raubten ihr den Schlaf, die Lebensfreude und jeglichen Antrieb. Tiefster Seelenschmerz, Selbstmordfantasien und völliger Rückzug waren die Folge.

So kam es, dass sie einen großen Teil ihres Lebens mit Psychotherapien, Behandlungen in psychosomatischen Fachkliniken und Tageskliniken verbrachte. Die Jahre gingen ins Land und vieles um die Patientin herum veränderte sich. Was blieb, waren die Depression und die immer wiederkehrenden Behandlungsversuche. Eigentlich erwartete niemand mehr, dass sich daran noch einmal etwas ändern könnte. Der Stapel ihrer Behandlungsakten hatte eine beeindruckende Höhe.

Wenn man alles probiert und nichts hilft

Und jetzt war sie auf meiner Station gelandet. Ich war jung, gut ausgebildet, motiviert, frohen Mutes und krempelte im sprichwörtlichen Sinn die Ärmel hoch, um mich frisch ans psychotherapeutische Handwerk zu machen. Sie bekam von mir so...

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Dieser Artikel befindet sich in der Ausgabe: Psychologie Heute 2/2020: Wer bin ich noch?
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