Heilsame Meditation

Meditation hat viele positive Auswirkungen auf Körper und Seele. Welche sind das und welche Mechanismen stecken dahinter?

Foto zeigt einen Männerkopf aus Porzellan mit einem rosa Ballon als Gehirn
Mentales Training hinterlässt Spuren im Gehirn. © plainpicture/Thordis Rüggeberg

Meditation wirkt. Fast täglich erscheinen neue, eindrucksvolle Belege dafür, dass sie eine heilende Kraft für Körper und Seele ist. Dass die Fokussierung auf ein Meditationsobjekt, den Atem beispielsweise, die Konzentrationsfähigkeit steigert, ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Viel aufregender findet der amerikanische Psychologe und Hirnforscher Richard Davidson die neuen Hinweise, dass Meditation die Art und Weise, wie wir mit uns selbst, unserem Körper, unserer Gesundheit und anderen umgehen, radikal verändern kann.

Immer wieder liefern Studien Hinweise darauf, dass Gesundheit im Kopf beginnt und mentales Training Spuren im Gehirn hinterlässt. MRT-Aufnahmen zeigen, dass regelmäßige Meditation zahlreiche Hirnregionen verändert und jede Meditationsform auf unterschiedliche Weise die Architektur des Gehirns und damit langfristig auch das Verhalten beeinflusst. Nicht nur wenn wir Tango tanzen oder ein neues Instrument lernen, bilden sich im Gehirn neue Verknüpfungen, auch bei der Übung der Versenkung, bei der scheinbar nichts passiert, ist das Gehirn hochaktiv. So aktiviert beispielsweise die Mitgefühlsmeditation, bei der man sich bedingungslos für das eigene Wohlergehen und das aller anderen öffnet, den Übergangsbereich zwischen Schläfen- und Scheitellappen und stärkt die innere Balance und die Bereitschaft, aktiv zu helfen.

Ein anderer Umgang mit Schmerz

Gemeinsam mit Daniel Goleman hat Davidson im Jahr 2017 das Buch Altered Traits veröffentlicht. Darin beleuchtet das Autorenduo erfrischend kritisch und differenziert den aktuellen Forschungsstand zur Meditation und filtert die stärksten Befunde mit der größten Relevanz heraus. Als besonders eindrucksvoll bewerten Davidson und Goleman eine Studie, in der das Schmerzempfinden von Zenmeditierenden getestet wurde. Im Vergleich zu anderen Probanden reagierten die Zenmeditierenden auf Schmerzreize wie auf neutrale Empfindungen.

Eine mögliche Erklärung dafür: Im Gehirn steuern zwei unterschiedliche Areale das Schmerzempfinden. Eins ist für die körperliche Empfindung von Schmerz zuständig, das andere für die damit verbundenen Gefühle. Die Zenmeditierenden nahmen zwar die Schmerzsignale wahr, reagierten jedoch mit ihren Gefühlen und Gedanken weniger oder gar nicht darauf. „Sie schienen eine nicht wertende neutrale Strategie im Umgang mit Schmerz anzuwenden“, so Davidson.

Für Richard Davidson eröffnen sich dadurch neue Wege für Schmerzpatienten, die meist mit suchterregenden Opiaten behandelt werden. Meditation könnte ein Ausweg aus dem Teufelskreislauf sein – ein therapeutisches Mittel ohne unerwünschte Nebenwirkungen, das die Selbstwirksamkeit stärkt.

Weitere positive Einflüsse von Meditation auf Körper und Seele finden Sie im ganzen Artikel „Gesund dank Meditation“ in unserem aktuellen Themenheft der Reihe Psychologie Heute compact: Yoga, Meditation, Achtsamkeit: Was die drei Lehren ausmacht und wie wir sie für unseren Alltag nutzen

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